Montreux 2014

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Ich nehme alles zurück. Klar nervt der Rummel an der Riviera des Genfer Sees. Fahrgeschäfte und Nippesstände müssen aber anscheinend irgendwie sein. Allerdings haben wir diesmal Montreux schon besser verstanden.

Der Grund: Wir sind einfach sitzen geblieben. Fast jeden Abend. Oder besser gesagt jede Nacht. Ab Mitternacht im Montreux Jazz Club beginnen die richtig spannenden Jam Sessions mit den Musikern rund um den Gitarristen Leandro Pellegrino. Im Laufe des Abends kommen immer wieder Musiker dazu. Zum Teil sind das die Bandmitglieder, die gerade ihren regulären Gig vorher im Standard-Programm des Jazz Fest gespielt haben – wie zum Beispiel der Bassist von Chris Rea, der Pianist von Buddy Guy oder der wirklich unglaubliche Trompeter Maurice Brown, der diesmal mit der Tedeschi Trucks Band auf der Bühne stand und sich im Club gemeinsam mit seinem Posaunisten nach dem Genuss einer Flasche Whiskey die Seele aus dem Leib spielte. Den anderen Teil stellen Leute aus dem Publikum, die mit ihren Instrumenten im Publikum abwarten und dann irgendwann dazu stoßen. Besonders beeindruckt hat uns ein vierzehnjähriger Gitarrist, der mit seinem Vater jeden Abend im Club war und der auch jeden Abend mit den Profis gespielt hat.

Die Abende enden im frühen Morgengrauen. Von Müdigkeit ist bei so viel guter Laune und toller Musik nichts zu spüren. Man ist beseelt von Musik und der Stimmung an der Riviera des Genfer Sees. Viel zu kurz war es, viele interessante Auftritte verpassen wir die nächsten Tage. Aber es war die richtige Entscheidung, auch dieses Jahr für ein paar Tage in diese Welt einzutauchen.

Auf nach Montreux

Museen und Wickelfische

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Photo krafftbasel

Früher fuhren wir an Basel vorbei. Jetzt sind wir zum ersten mal hingefahren. Früher verband ich mit Basel Pharma, Chemie, Umschlagbahnhof und Dreck im Rhein.

Jetzt wurden wir eines besseren belehrt. Eine Stadt voller Kunst – von der beeindruckenden Sammlung des Kunstmuseum Basel bis hin zur traumhaft gelegenen und von Renzo Piano gestalteten Fondation Beyeler – und voller Leben beeindruckt. Savoir-vivre am Rhein.

Am Abend sitzt die gesamt Jugend chillend im Sonnenuntergang am Rheinufer. Hunderte pilgern mit ihrem Wickelfisch bewaffnet stromaufwärts, um sich beim Museum Tingueley in den Rhein zu stürzen uns sich quer durch die Altstadt vorbei am Münster zu den Buvetten stromabwärts treiben zu lassen.

Und das war so schön, dass es gleich zweimal sein musste.

Leute, kommt ihr nach Basel, kauft Euch einen Wickelfisch und lasst Euch treiben.

Liebe Lufthansa

Lufthansa Fail

Liebe Lufthansa

ich habe da mal etwas für Eure Kunden aufgeschrieben.

Anlaß: Bei fast jedem Buchungsprozess auf Eurer Website geht in der letzten Zeit irgendetwas schief. Der Anruf in der Hotline ergab: Ihr wißt das auch. Ihr sagt es aber niemanden. Deshalb sage ich es jetzt allen. Vielleicht erspart Euch das ein paar Anrufe in der Hotline.

Beschreibung des Incident: Der Abschluss des Buchungsprozess nach Auswahl aller Parameter, Sitzplatzwahl, obligatorischem Verzicht auf Versicherungen aller Art, ist nicht möglich. Die Fehlermeldung auf der Website gibt keinen Grund an sondern fordert entweder zur Wiederholung oder zum Anruf im Service Center auf.

Grund: Grund ist der Bezahlprozess. Wer “Lastschrift” als Bezahlverfahren nutzt, sein Konto VOR der SEPA-Umstellung hinterlegt hat, kann trotz ausdrücklicher Bestätigung der SEPA Bedingungen nicht buchen.

Workaround der Hotline (merke: KEINE Lösung, das könnte ja die IT mit ihren Software-Entwicklern einfach beseitigen): Lösche die alte Kontoverbindung im Profil unter “Zahlungsmittel” und lege die gleiche Kontoverbindung einfach neu an – dann klappts auch mit der Buchung.

Zahlungsmittel

Warum das niemand fixen kann, ist mir ein Rätsel. Warum jetzt tausende Menschen bei der LH anrufen müssen, verstehe ich nicht. Aber ich habs jetzt mal aufgeschrieben für alle diejenigen, die sich wundern.

Sail Away

Wannsee

Gestern haben wir uns nach 8 Jahren von der „Freedom“ verabschiedet. Die „Freedom“ war ein GFK Plastikbomber, von der Gattin liebevoll „Lenorflasche“ genannt. Typ “Wanderer IV”, aus den siebziger Jahren. „Freedom“ hatte sie einer der Vorbesitzer getauft, und weil er mit aller Schrauben und Zwingen den Bootsnamen für immer verewigt hatte, gab es auch keinen anderen Namen. Viele schöne Wochenenden haben wir auf dem Wannsee verbracht, einige davon mit lieben Freunden. Boote sind wie Autos, und mit dem Alter kommen die Macken. Der Zeitpunkt war gekommen, lebewohl zu sagen.

Gattin mit Lenorflasche

Vom Wasser werden wir aber nicht lassen. Uns ist ein neues Boot zugelaufen. 800 Kilo GFK tauschen wir nun bald gegen 3 Tonnen Stahl. Aber das ist dann eine neue Geschichte.

Tweet des Tages

Nebenbei auch ein schönes Beispiel für #Newsjacking.

Social Media in Realtime


Ältere Quellen, aber schöne Aufbereitung für das eine oder andere Aha-Erlebnis in Bezug auf die Datenmengen, die in jeder Sekunde im Netz generiert werden.

Maifeierlichkeiten

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Drei Großereignisse standen letzte Woche auf dem Plan. NEXT, re:publica, und die Konfirmation meines Sohnes.

Was die Ereignisse miteinander zu tun haben? Auf der NEXT beschäftigten sich Anzugträger mit der Frage, wie das Internet den Markt und der Markt das Internet verändern wird. Auf der re:publica beschäftigten sich Kapuzenpulliträger damit, was das Internet mit der Gesellschaft macht und was die Gesellschaft mit dem Internet anstellen kann.

Und auf so einer Konfirmation tun Eltern so, als würden aus ihren Kapuzenpulliträgern jetzt Anzugträger werden – und erlauben den Sprösslingen dann ernsthaft, ab jetzt “auch was mit dem Internet machen zu dürfen”. Dabei ignorieren sie die Tatsache, dass die lieben Kleinen vermutlich schon seit Jahren heimlich das Taschengeld in die Internet-Flat ihres Providers investieren.

Hoffen wir also, dass Marketing-Experten, Gesellschaft und Kinder was anständiges aus diesem Internet machen. Bei Eltern habe ich gelegentlich meine Zweifel.

(Anzugträger und Kapuzenpullis habe ich mir bei Herrn Buhse geliehen. Und die letzte Woche muss ich jetzt erstmal verdauen.)

Methusalem

Sohn II: Da gibt es einen Film mit einem Schleim, der frisst alles auf.
Vater: Oh, ich erinner mich, den hab ich mal gesehen, als ich so alt war wie ihr!
Sohn II: Ach, das war ein Schwarz-Weiß Film?

Ich muss wohl sehr alt aussehen.

Herzblut

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Sicherheit muss man spüren. Sagte mein lieber Admin, wenn ich mal wieder über Wechsel-Zwang und erforderliche Komplexität von Passwörtern fluchte. In meiner eigenen Infrastruktur habe ich es mir meist bequemer gemacht.

Heartbleed war anscheinend simpel und wirkungsvoll – und nicht so lustig für die Sicherheit im Netz. Eine ganze Reihe von Diensten sind betroffen, Mashable hat eine schöne List für einen einsamen Vormittag. Und Nachmittag. Vielleicht auch Abend.

Dropbox, Facebook, Google – alles Dienste, die ich nutze und die mehr oder weniger sagen: Unwahrscheinlich, dass Du betroffen bist lieber Nutzer, aber wer sicher sein will, der sollte jetzt das Passwort wechseln.

Nun gab es bei mir eine recht einfache Password-Policy. Im wesentlichen drei Passwörter, je sensibler der Dienst, desto komplexer das Password – nur im äußersten mit individuellen Änderungen. Wechsel? Ja, nein, vielleicht – eher selten.

Damit sollte dann heute früh Schluss sein. Nicht nur Password-Wechsel, sondern auch 2-Faktor-Authentifizierung stand auf dem Programm. Spaß macht das nicht.

Google regelt das so: Man bekommt alle 30 Tage eine Aufforderung zur Eingabe eines Code, dieser kommt per SMS aufs Handy. Als Backup gibt eine kleine Liste von One-Time-Passwörtern für den Geldbeutel. Klingt erstmal nicht schlecht. Bis man dann feststellt, dass das natürlich nicht für die ganzen Endgeräte und Apps so einfach geht.

Jedes Gerät, jede App, jeder Dienst auf dem MacBook muss einmalig authentifiziert werden. Erst meckert Apple Mail, dass es keine Mails mehr abrufen kann. Dann meckert der SMTP Dienst. Und so fort. Das sieht dann im Laufe der Arbeit so aus:

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Man fängt also an, diese Berechtigungen für Geräte und Apps alle einzeln zu hinterlegen. Das nervt. Sehr. Aber: Sicherheit soll man spüren. Sagt der Admin. Und die Arbeit kann man ja danach wieder erledigen.

Auch an bunten Stühlen wird gesägt

Bällebad

Die ZEIT fragt sich, warum wir so oft an Arbeitsplätzen ohne Leben sitzen.

Die maue Bereitschaft der Arbeitgeber, ihren Angestellten ein anregendes Umfeld zu bieten, trifft auf das laue Engagement der Büroinsassen, selbst für eine bessere Atmosphäre zu sorgen. Ein Bild an der Wand kann helfen oder ein Sitzmöbel, in das man sich wirklich gerne hineinsetzt. Wahrscheinlicher aber ist, dass irgendein verlorenes Blatt Papier irgendwo an die Gipswand gepinnt ist, mit einem witzigen Cartoon, der vor zwei Jahren mal aus dem Drucker rauschte.

In der New Economy Zeit übertrafen sich die Startups mit der Gestaltung der “Arbeitsräume” gegenseitig. Kreativräume wurden geschaffen, ganze Spielplätze und Chill Zonen, manch ein Startup baute gleich ganze ausrangierte S-Bahn-Wagen in die Fabriketage. Das ganze wirkte cool, sollte den Arbeitgeber attraktiv machen und junge Geeks motivieren, für wenig Geld möglichst lange viel Code zu schreiben. Das Ganze war dann mehr Selbstdarstellung nach außen, ob damit mehr Geld verdient wurde und Mitarbeiter produktiver wurden, darf bezweifelt werden.

Gerade gestern erzählte mir ein Kollege von seinem Ex-Arbeitgeber KPMG, die als besondere Attraktion in einem der Bürohochhäuser ein Schwimmbad in der obersten Etage installiert hatten. Keiner traut sich da heute hin. Könnte ja der Chef sehen. Denn:

Auch an bunten Stühlen wird gesägt. Auch im Bällebad kann man in Arbeit ertrinken.

Diejenigen, die heute im Netzwerk unterwegs sind und nicht in der Hierarchie, suchen sich ihr kreatives Umfeld nach Bedarf. Im Home Office, im Co-Working Space, im Café oder im Zug. Das alles funktioniert heute problemlos – solange es dort guten Kaffee gibt.

Die Sache mit dem Auto

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Vor zwei Jahren habe ich Björn zum ersten Mal getroffen. Seitdem hatten wir viel Spaß miteinander. Es hat sich auch viel getan. Björn parkt jetzt vor der Haustür, wenn ich ankomme. Oder er steht in Laufweite herum. An den wesentlichen Flughäfen und auch an einigen Bahnhöfen wartet er.

Man könnte sich aufregen, dass DriveNow das Preismodell angepaßt hat und alles ein wenig teurer geworden ist. Tue ich aber nicht. Ich nutze Björn uns seine Brüder und Schwester regelmäßig. Letzten Monat 72 Minuten in Summe. Dafür braucht man keinen Zweitwagen in der Familie.

Auch car2Go hilft mir gelegentlich bei der Mobilität aus. Meist stehen sogar mehr Smarts herum als Minis oder BMWs. Aber es gibt einige Gründe, warum ich DriveNow bevorzuge. Klar, ein Mini Cabrio macht mehr Spaß. Und auch ein BMW Electric Vehicel ist mal eine lustige Erfahrung. Dafür gehe ich auch ein paar Schritte mehr. Blöder ist aber die ganze Sicherheitsregelung bei Car2Go. Irgendwann hat car2go sich überlegt, dass man die Führerscheine nochmal vorzeigen muss. Natürlich bin ich an keiner der Filialen vorbeigekommen. Zack, war die Karte gesperrt. Warum bekommen das andere Anbieter ohne wiederholten Führerschein-Check hin? Keine Ahnung.

Dann die Passwort-Policy. Da verfällt in regelmäßigen Abständen aus Sicherheitsgründen das Passwort in der App. Und dann? Klar, weil wegen Großbuchstabe, Zahl, Kleinbuchstabe, Sonderzeichen und so einen Krams kann ich mir das nicht merken. Also geht die App nicht mehr, weil ja zu meiner eigenen Sicherheit ein neuer Login nach ein paar Wochen nötig ist. Also alles furchtbar kompliziert bei car2go, daher nur zweite Wahl. Aber immerhin eine hilfreiche Ergänzung.

Car Sharing ist eine feine Sache. So muss urbane Mobilität aussehen.

Dancing in Movies

246 films mashed up into one giant “Dancing in Movies”. How many do you recognize?

De-Mail: Wie Lotus Notes vor 20 Jahren – nur ohne SMTP

In gewohnt knackiger Kürze fasst Volker Weber die Gründe für das Scheitern von De-Mail zusammen. Und zieht einen schönen Vergleich:

Ich stelle mir gerade vor, man hätte einfach Lotus Notes genommen, jedermann eine ID verpasst aber keine SMTP-Verbindung. Also so wie vor 20 Jahren.

In mehreren Unternehmen war ich in den letzten zwei Jahren hautnah dabei. Die Kollegen der T-Systems preisen De-Mail an: Wer jetzt nicht auf den Zug springt, ist quasi schon tot. Denn De-Mail sei das Mail Next und die Bürgerinnen und Bürger würden nur noch über De-Mail miteinander kommunizieren.

Und dann kommt das langsame Erwachen. De-Mail gilt ja als zugestellt? Also Prozesse im Unternehmen aufsetzen für die Briefkasten-Bewachung? Fehlanzeige. Infrastruktur aufbauen mit nicht lieferbaren Appliances, die Hardware hat nur eine Netzwerkkarte, etc. pp. Irgendwann hat dann weder Org noch IT Lust, daran weiterzuarbeiten.

Und: Es ist ja eh keiner da, der das nutzt.

Großer, millionenschwerer Dummquatsch. Bullshit made in Germany. Siehe Video.

Kleine Ergänzung vom 19.03.2014:

First Kiss

Wunderschön.

Ich bin etwas komplexer

Der Berliner Künstler Hans-Holger Friedrich, 58, alias Friedrich Liechtenstein hat einem YouTube-Werbespot für Edeka („Supergeil“) zu Kultstatus verholfen.

SPIEGEL: Im Clip singen Sie: „Super Uschi, super Muschi, super
Sushi, supergeil.“ Haben Sie das getextet?
Liechtenstein: Nein. Das stand so im Skript. Ich bin etwas komplexer.

Eventeritis

Den üblichen Jahresauftakt mit der Connectosphere in Orlando konnte ich dieses Jahr nicht wahrnehmen. Dafür steht jetzt im Frühjahr “Wissen tanken und Gleichgesinnte treffen” auf dem Programm.

Nächste Woche also CeBIT Social Business Arena in Hannover. Im Mai dann wieder die NEXT in Berlin. Und wo ich schon dabei war, habe ich auch gleich die Tagung der IBM Connections Usergroup in Prag im Juni gebucht.

Ein kleiner feiner Event eines geschätzten IBM Business Partners steht noch in Hannover an. Aber Jörg schafft es einfach nicht, mir die angekündigte Einladung zu senden.

Social Software kann man installieren – Social Business aber nicht

Dok Magazin Social Business Kluge Consulting

Wer drüben auf meinen fachlichen Seiten herumstöbert, der weiß schon lange, dass mich das Thema “Social Software” auch beruflich umtreibt. Jetzt habe ich mich im DOK.magazin dazu geäußert. Und empfehle ganz nebenbei auch mal den Besuch meiner frisch aufgeräumten klugen Consulting Seite.

Zum direkten Download des PDF -> hier entlang.

Die Geister, die wir riefen

Many were increasingly of the opinion that they’d all made a big mistake in coming down from the trees in the first place. And some said that even the trees had been a bad move, and that no one should ever have left the oceans.

(Douglas Adams)

Hans Magnus Enzensberger hat in der FAZ derbe Technologie-Kritik geübt. Dafür erhält er von den Netzbewohnern saftige Ohrfeigen. Und in der papierverhafteten Welt werden viele zustimmend nicken. Die Ohrfeigen und die Häme aus dem Netz zeigen, wie arrogant wir Netzbewohner mit dem Thema umgehen. Die Zustimmung aus der FAZ Leserschaft zeigt, wie weit abgehängt große Teile der Bevölkerung von den Netzthemen sind. Beiden mag ich irgendwie nicht zustimmen. Eine sehr lesenswerte Position bezieht der Don Dahlmann. Ein verwirrender Kommentar schließt sich an, der auf einen Tweet von Frank Schirrmacher verweist: Alles nur Ironie, oder was?

Warum ich das hier erwähne? Weil ich heute auf einer langen Radtour mit meiner Frau in Unkenntnis des FAZ Artikels genau diese Themen diskutiert habe. Auf dem Weg von gutbürgerlichen Berliner Süd-Westen nach Startup City-Ost stritten wir wie die Rohrspatzen um Fluch und Segen der Technologie. Warum muss mein Smartphone wissen wo ich bin? Was machen Apple und Google mit meinen Daten? Wieso muss ich all die Überwachungs- und Kontrollfunktionen meines Smartphones erst ausschalten? Wieso soll irgendwer wissen wollen, wo ich bin und was ich da tue? Wer kontrolliert die Konzerne, die meine Daten sammeln? Wer kontrolliert die staatlichen Datensammler? Muss ich das Postprivacy-Zeitalter einfach hinnehmen?

Ich bin an sehr vielen Stellen bereit, den Preis zu zahlen. Den Preis für Bequemlichkeit, ein Information, ein Produkt, eine Lokation zu finden. Ich habe wenig Hemmungen, viele meiner Daten in Diensten wie Dropbox, OneDrive oder in der Amazon-Cloud zu speichern. Ich nutze Online Banking und will nicht darauf verzichten. Und ich kann mir keinen Fall vorstellen, bei dem ich eine Postkarte mit vertraulichen Nachrichten verschicke.

Sicher hat Enzensberger bahnbrechenderes zur Medienentwicklung beigetragen als diese Thesen. Seine “Regeln für die digitale Welt” – so absurd und völlig realtitätsfremd, wie sie mir im ersten Moment erschienen – haben im Nachgang zur Diskussion mit der besseren Hälfte aber einen anderen Nachklang gefunden.

Enzensberger scheint davon auszugehen, dass die Postdemokratie schon längst gesiegt hat. Dass also wirtschaftliche Interessen und Unternehmen den politischen Entscheidungsprozess dominieren. Die individuelle Freiheit ganzer Teile der Gesellschaft muss hinter diesen Interessen nachstehen.

Und das ist so falsch nicht. Der politische, insbesondere nationalstaatliche Kontrollverlust wird gerade bei den scheiternden Versuchen, Google, Facebook & Co unter Kontrolle zu bekommen, sichtbar. Aber wir haben nunmal den Ozean verlassen und sind auf die Bäume geklettert. Der Geist ist schon aus der Flasche. Es ist nun an Gesellschaft und Politik, den ordnenden Rahmen zu definieren. Simples Technologie-Bashing dagegen hilft nichts. Aber ein Diskurs, wie ihn Enzenzberger jetzt auslöst, ist wichtig.

Selfie Warning!

Selfie from Andy Martin on Vimeo.