Abseits von Bergen und Klöstern

Im Dachgeschoss eines Mietshauses in Berlin Kreuzberg hatte Siegfried Lautenbacher vor einiger Zeit eine kleine Runde zusammengescharrt um Susan Gluth, Filmemacherin und Regisseurin von „Urmila“. Gemeinsam mit Harald Schirmer erfuhren wir einiges über das Filmemachen. Und das Anliegen von Susan.

Das gemeinsame Anliegen: Wie schaffen wir es, mehr Aufmerksamkeit für den Film zu bekommen. Und Aufmerksamkeit für das Schicksal der Sklavenmädchen in Nepal, einem Land, das bei vielen Romantikern nur Bilder von hohen Bergen und Klöstern hervorruft.

Christian Henne vom MUNICH DIGITAL INSTITUTE hilft bei der digitalen Kommunikation. Wir alle freuen uns über jeden Unterstützer, jede Unterstützerin.

“Wir nehmen auf Wunsch jeden Supporter auf die hier verlinkte Unterstützerseite, freuen uns aber einfach auch über jeden Share.”

Also, bitte mitmachen, teilen, Hastag #SupportUrmila.

One Year Later

Sometimes it snows in April

And some more stuff:

And this one with Bill Murray, Jimmy Fallon, Chris Rock, Emma Stone, Maya Rudolph, Jim Belushi, Cuba Gooding Jr. and Martin Short:

What a great artist. R.I.P. Prince.

Scare Intruders

SCARE INTRUDES

SCARE INTRUDES

Die Withings Home spricht jetzt mit unseren Hues. Nach dem ungebetenen Besuch haben wir das Heim etwas hochgerüstet mit zusätzlicher Technologie. Nicht über alles sollte man reden, aber manches ist schon nett. Insbesondere das crowdgesoucte Internet-Regelwerk IFTTT macht immer mehr Spaß, je mehr Rezepte verfügbar sind.

Auch Netgear Arlos sind heute gekommen. Auch die sprechen offenbar IFTTT. Es wird ein netter Karfreitag, an dem wir die Hausautomatisierung weiter treiben.

Totgesagte leben länger

Das CeBIT Bashing ist gerade groß in Mode. Der coole Nerd und wahre Kenner fährt natürlich zur SXSW. Aber ich kann nur sagen: Ich war noch nie in meiner mehr als 20 jährigen Hassliebe zur CeBIT so zufrieden heimgekehrt. Das lag vor allem an der toll organisierten und gut besuchten CeBIT Enterprise Digital Arena, an deren Teilnehmern und Sprechern und dem Austausch auf diversen Veranstaltungen. Extrem überrascht war ich auch über die Zahl der Teilnehmer. Ich kenne aktuell keine offiziellen Besucherzahlen. Aber gefühlt waren wesentlich mehr Fachbesucher in den Veranstaltungen als im letzten Jahr.

Drei Tage habe ich zwischen Halle 2 und Halle 4 verbracht und eine Menge mitgenommen von #IBMCebit, #DNUG, #CeBITeda, #SBCDACH und vielen Veranstaltungen mehr.

Noch eine erstaunliche Entwicklung: Facebook stirbt ja bekanntermaßen schon lange, weil es nur noch aus Werbung und Katzenvideos besteht und unser aller Gedächtnis kontrollieren will. Twitter stirbt eh, weil es irgendwann den Stream filtert und eigentlich auch schon auf die Seite der bösen Mächte wechselt. Im Rahmen der CeBIT habe ich das Gegenteil erlebt. Auf Konferenzen geht Twitter immer, die Geschwindigkeit des Austausches macht schnelle Reaktionen und Diskussionen noch während der Sessions spannend. Aber Facebook hat sich als sehr lebendige und hochwertige Plattform für den Austausch bei der CeBIT Enterprise Digital Arena erwiesen über das Ende der Veranstaltung hinaus. Lange, intensive Diskussionen, quasi die Fortsetzung der Dialoge auf den Bühnen ohne 140 Zeichen Begrenzung und breitem Publikum.

Besser als Harald kann man die Cebit Enterprise Digital Arena nicht zusammenfassen, hier der -> Link zu seinem digitalen Tagebuch.

Viele Projekte und Vorhaben sind in den 3 Tagen entstanden. Wenn nur ein paar von diesen Pflanzen austreiben, dann hat es sich noch mehr gelohnt.

Blue Monday

Ungebetene Gäste

Heute Abend hatten wir Besuch. Er war nicht eingeladen. Die Kamera zeichnet zwei Männer auf, die in aller Seelenruhe durch unser Haus marschieren. Sie haben auf der Terrasse die Tür ausgehebelt. Trotz Rollzapfen und Sicherheitsbeschlägen.

Um 19:52 sind die Herren eingestiegen, exakt zehn Minuten später sind sie wieder gegangen.

Das Kuriose: Die Gebrüder haben alles durchwühlt, aber sie haben die offensichtlichen Dinge nicht mitgenommen. Auf dem Schreibtisch steht das ganze Programm aus Cupertino, das iPad liegt offen auf dem Tisch, selbst Schmuck wurde nur rausgerissen, aber nicht mitgenommen.

Dafür hat sich nach 7 Minuten einer der Herren dafür interessiert, dass eine Leuchtdiode über der Eingangstür brennt. Er schließt völlig zu recht, dass dies ein Indikator der Alarmanlage ist. Er holt sich nicht sonderlich eilig einen Stuhl, stellt ihn unter den Auslass an dem die Diode brennt und wollte wohl die Schaltung ergründen. Ebenso schauten die Herren wohl in den Schaltschrank, haben aber anscheinend nicht gewußt, was zu tun ist.

Vielleicht haben sie aber auch nur erkannt, dass eine Alarmanlage da ist, und sind dann schnell verschwunden. Um 19:59 holt er sich den Stuhl, um 20:02 gehen sie. Zwei Minuten sind eigentlich recht lang. Vielleicht ist ihnen dann klar geworden, dass eine Schaltung besteht, und dass sie nun nur noch wenig Zeit haben. Warum nehmen sie dann aber die offensichtlichen Dinge nicht mit? iMac? Beamer? iPad? Und dann nichts wie weg?

Von der Kripo haben wir beim Hausbau zwei Dinge gelernt:

  • Entweder handelt es sich um absolute Profis, die das Haus lange beobachten und dann zuschlagen. Gegen die Jungs gibt es kaum Sicherheit.
  • Oder es sind Banden, die schnell rein und schnell wieder raus gehen. Bei denen geht es nur um Zeit bis zum Aufschlagen der Polizei oder des Sicherheitsdienstes – und die nehmen alles mit, und verschwinden wieder schnell. Bei den Sicherheitsvorkehrungen geht es nur darum, den Jungs es mit anständigen Fenstern und Türen schwer zu machen.
  • Wir haben seit geraumer Zeit eine Baustelle gegenüber. Das Haus gegenüber ist eingerüstet, man kann uns schon lange gut beobachten vom Gerüst. Es kann gut sein, dass man uns beobachtet hat, wie wir wegfahren. Aber für den außenstehenden dürfte auch unklar sein, wann wir wieder kommen, wann der Sohn vom Sport kommt, wann wir vom Einkaufen kommen.

    Was nun erstmal bleibt, ist das blöde Gefühl, dass jemand sich gewaltsam Zutritt verschafft hat und in unserem Privatleben herumgewühlt hat.

    Update:

  • Die Diode hat natürlich keinen interessiert. Den Stuhl hat der Gauner nur dahin geschleppt, damit er hört, wenn die Tür aufgeht
  • Die Frage nach unserer Stimmung: Alles ok, besser als gedacht. Sicherheit wird jetzt allerdings noch größer geschrieben im Klugen Haushalt. Da war ich früher unbedarfter. Das ist schade.
  • Und: Wir haben ein paar neue, bessere Kameras angeschafft
  • Teens React To Windows 95

    My Robot – über künstliche Intelligenz und freundliche Helferlein

    Ob einem die neueste Generation von Robotern aus dem Haus Boston Dynamics Sorgen machen muss? Ich finde das neue Atlas Modell gleichzeitig faszinierend wie bedrohlich. Es ist wohl keine Frage, dass künstliche Intellegenz und Roboter rasante Entwicklungsschritte machen – auch in “kreativen” Domänen, die bisher dem Menschen überlassen waren. Musiker haben zuerst die Macht der Algorithmen zu spüren bekommen, Journalisten sehen sich mit automatisierten Texterstellungs-Bots konfrontiert, und auch Anwälte bekommen plötzlich künstliche Intelligenz zu spüren. Die Luft im unteren Segment wird dünner, “below the API” betrifft immer mehr Menschen.

    Wer eine Idee davon bekommen will, was da auf uns zukommt bis zur Auslöschung durch eine Superkünstliche Intelligenz, der blättert in Kürze durch diese Präsentation “The World OS“. Und wer es gerne etwas intensiver hätte, der liest dieses lange Stück Text: “What´s Next in Computing“. Billige CPUs, kombiniert mit überall verfügbarer Bandbreite, unendlicher Rechenleistung in der Cloud ermöglichen sprachgesteuerte Systeme mit künstlicher Intelligenz, von denen wir heute nur träumen können.

    “The business plans of the next 10,000 startups are easy to forecast: Take X and add AI. This is a big deal, and now it’s here.” — Kevin Kelly

    Ich bin Optimist. Seit die Weber gegen die Maschinen aufgestanden sind, sind immer wieder neue Jobs entstanden. Meine Kinder werden Berufe ausüben, für die es heute noch nicht einmal Namen gibt. Aber wenn wir in diesem Land darauf genau so gut vorbereitet sind wie auf die Migrationsfrage, dann gute Nacht.

    Berlinale Invasion

    Michael Moore ist auch in Berlin einmarschiert. In seinem Film. Leider aber nicht zur Premiere. Eine Lungenentzündung hat ihn davon abgehalten.

    In “Where to invade next” erobert er Länder mit Errungenschaften, die Amerika wirklich helfen könnten. Bei dieser Invasion holt er für die Vereinigten Staaten nicht Erdöl heim, sondern Bildung (Finnland, Slowenien), Mutter-Kind-Kuren (Deutschland), straffreien Drogenkonsum (Portugal), Frauen in Führungspositionen (Island), Mitbestimmung von Arbeitnehmern (Deutschland), Mut zur Vergangenheitsbewältigung (Deutschland), würdigen Strafvollzug (Schweden), und einige Eroberungen mehr. Gewohnt überzeichnet, schwarz-weiß ohne Grautöne, oft witzig, selbstironisch, manchmal auch rührend. Moore zeigt aber auch uns in good old Europe, wie viel Errungenschaften hier auf dem Spiel stehen, die wir noch als selbstverständlich hinnehmen. Sehenswert.

    Weitere Kinoerlebnisse, die wir genossen haben: “Colonia Dignidad” (erschreckend beklemmend. Furchtbar, wie tief die Bundesrepublik verstrickt ist, und das bis heute nicht aufgeklärt ist).

    Persönlichestes Erlebnis: Einen Abend mit Filmemacherin Susan Gluth und lieben Freunden über “Urmila” diskutiert und Pläne geschmiedet, wie wir möglichst viele Menschen ins Kino locken. Also Leute: Hingehen!

    Kinoerlebnisse, die einen ratlos zurücklassen: “Fantastic”. Ich zitiere diese treffende Kritik: Es war bei diesen “prätentiös-debilen Kunstquark im Neo-Noir-Gewand für viele bereits nach wenigen Minuten die mentale Schmerzgrenze deutlich überschritten”.

    How to work better

    #HowtoWorkBetter

    Ein von Guggenheim Museum (@guggenheim) gepostetes Foto am

    Forty Eight

    number 4 number 8

    Humans need not apply

    Ich hatte zuletzt einige spannende Diskussionen zum Thema Arbeitsplatz der Zukunft. Zum einen bei der Frage, welche Jobs werden eigentlich unsere Kinder machen. Was bedeutet das für die Arbeitnehmer heute, angeregt durch die Frage, wie wird Dein Job in 5 Jahren aussehen.

    Das oben verlinkte Video ist schon etwas älter gemessen in digitalen Maßstäben, aber die 15 Minuten seien all denen empfohlen, die in der gestrigen Diskussion um meine Tesla Erfahrung meinten, sie würden ab jetzt einen weiten Bogen um mich machen, wenn ich auf der Strasse unterwegs bin. Der Wagen sieht mehr als ich, er reagiert schneller, er fährt weitaus zuverlässiger alleine als ich.

    Es ist nur noch eine Frage einer verhältnismäßig kurzen Zeit, wann die “Wissensarbeiter” damit konfrontiert werden, dass ein Computer einen Großteil der Tätigkeit übernimmt. Es betrifft nicht mehr nur den Taxifahrer oder den Kreditsachbearbeiter in naher Zukunft. Steuerberater, Rechtsanwälte und Ärzte wiegen sich noch in Sicherheit.

    Sicher. Ein Schach-Computer besiegt heute ohne Frage jeden Großmeister. Ein Großmeister mit einem Schachcomputer besiegt jeden Schachcomputer. Aber diese Kombination wird eine Elite retten, weil sie damit Top Leistungen bringen werden. Die breite Masse wird aber weder vorbereitet sein noch haben wir derzeit gesellschaftliche Vorkehrungen getroffen.

    “Humans will always loose. Technology always wins. We are not prepared”

    Papa, ich werde Drohnenpilot

    Sohn I wird demnächst Abitur machen und zählt die Wochen, bis es vorbei ist. Sohn II folgt in einem Jahr. Keiner von beiden kann die Frage beantworten, was er danach beruflich machen will. Der eine “will reich werden”, der andere “will das Leben genießen und was schönes machen”. Nun, ich wußte in dem Alter auch nicht, was ich werden wollte. Nur Mädchen wussten schon immer, dass sie Tierärztin werden wollten.

    Neu ist heute allerdings, dass zwei von drei Kindern Jobs machen werden, die es heute noch nicht einmal gibt. Vielleicht werden sie Drohnen-Pilot? Wer weiß. Kann man davon leben? Hängt davon ab. Das Schwierige an Prognosen ist ja bekanntermaßen, dass sie ungenau werden, sofern sie die Zukunft betreffen. Und da sich das Rad des technologischen Wandels immer schneller dreht, wird der berechenbare Horizont immer kürzer.

    Die Unsicherheit betrifft auch meine Generation. Wenn erst Watson die Anamnese wesentlich schneller und wesentlich korrekter macht, wenn der Call Center Computer nicht mehr zu unterscheiden ist von einem echten Menschen, wenn Kreditsachbearbeiter und Versicherungsmakler durch Algorithmen ersetzt sind, dann betrifft das eine sehr sehr große Anzahl von Arbeitnehmern. Guido Bosbach fragt zu recht: Schon mal darüber nachgedacht wie ihr Job in 5 Jahren so aussieht?

    Meine Kindern haben “lernen” nicht gelernt. Sie wurden an den Spitzen-Gymnasien vollgestopft mit Fachwissen, das übermorgen veraltet ist. Sicher haben sie da intuitiv “lernen” gelernt. Aber die Neugier, probieren, scheitern, neue Methoden kennenlernen, kontinuierlich an einer Sache dran bleiben und eigenständig lösen – diese Dinge werden sie vermutlich auch nicht an der Uni lernen. Die Uni wird sie weiter disziplinieren – aber wird das reichen für die kommenden Berufsbilder, für die Positionierung im “hochprofessionellen Quadranten” und nicht in der prekären Ecke? Dazwischen wird nicht mehr viel Platz sein. Vielleicht werden sie als Drohnenpilot ein ausreichendes Einkommen erzielen und ausreichend Erfüllung finden?

    Sie werden ihren Weg machen. Da bin ich sicher. Ob das für viele Arbeitnehmer meiner Generation gilt, wage ich dagegen zu bezweifeln.

    Helferlein

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    Vor einiger Zeit ist Robert bei uns eingezogen. Wir wussten noch nicht, ob er bleiben soll. Jetzt hat eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

    Robert ist zuverlässig, geduldig, und recht ausdauernd. Er arbeitet, wenn man es ihm sagt. Und wenn er stört, macht er eine Pause. Robert holt Staub und Dreck aus Ecken, die der Plömp offenbar noch nie betreten hat.

    Er klettert über Stufen und schwellen, quetscht sich hartnäckig unter das Sofa und hört erst nach anderthalb Stunden auf, wenn ihm die Puste ausgeht.

    Mit Robert ist der Kluge Haushalt um ein Wundergerät reicher. Aber um ein Haar hätte er die Probezeit nicht überlebt. Denn für Robert mussten einige Dinge neu geordnet werden.

    Robert mag beispielsweise keinen Flokati. Er verbeißt sich in den Fasern und muss irgendwann befreit werden. Die Katzen lieben aber den Flokati. Die Katzen lieben aber auch Robert. Konflikt. Robert hat schließlich gewonnen.

    Es ist nicht so, dass man Robert nicht auch vom Flokati fernhalten könnte. Eine Abgrenzung mit Magnetband, einfach unter den Teppichrand gelegt, hilft eigentlich gut. Aber die Kluge Frau hat gleich das neuste Umgestaltungsprojekt in die Hand genommen und Flokati gegen Kelims getauscht. Deren Fransen wurden fachmännisch gekürzt, jetzt kann Robert auch mit dem Teppich.

    Robert hat diverse Möglichkeiten, sich zu orientieren. Ultraschall, Berührungssensor, Laser – alles dabei. Er sucht sich systematisch Abschnitte im Raum, reinigt eine quadratische Fläche nach der anderen, bis die Batterie alle ist. Zu viel „Stehrümmchen“ sollte man allerdings nicht im Raum haben. Er arbeitet sich zwar um alles herum und durch jedes Stuhlbein-Gewirr hindurch, aber das Manövrieren kostet Zeit und damit Batterie. Robert liebt eher glatte freie Flächen, dann schafft er auch viel ohne großes Herumnavigieren.

    Meist findet Robert nach getaner Arbeit zu seiner Ladestation. Manchmal muss man ihn nach Hause tragen. Auch da ist er noch nicht so perfekt. Ein perfektes Helferlein würde natürlich nicht nur seine Ladestation alleine anfahren und sich aufladen, es würde sogar den gesammelten Müll ausladen. So weit sind wir aber noch nicht.

    Ganz und gar nicht geht die Fernbedienung. Ein old school Infrarot-Gerät, dass meist nicht funktioniert. Sehr schade, dass bei Robert die Digitalisierung noch nicht so weit vorangeschritten ist. Kein WLAN, also keine andere Steuerungsmöglichkeit via App. Einen USB Port gibt es zwecks Firmware-Update, da könnte man doch sicher auch irgendwas auslesen für die Spielkinder unter uns. Staub- und Weganalysen zum Beispiel. Eine Kamera? Den Katzen beim Saugroboter-Jagen auf Augenhöhe von unterwegs zuschauen, das hätte schon was.

    Robert tut nun seinen Dienst. Und ziemlich sicher bekommt er im Frühjahr einen Kollegen – der tut dann Dienst auf dem Rasen.

    R.I.P. David Bowie

    Had to get the train
    From Potsdamer Platz
    You never knew that
    That I could do that
    Just walking the dead

    Sitting in the Dschungel
    On Nürnberger Straße
    A man lost in time
    Near KaDeWe
    Just walking the dead

    Where are we now?
    Where are we now?
    The moment you know
    You know, you know

    Twenty thousand people
    Cross Bösebrücke
    Fingers are crossed
    Just in case
    Walking the dead
    […]

    Potsdamer Platz. Dschungel in der Nürnberger Strasse. KaDeWe.

    Berliner Orte. Der alte Berliner Westen, geteilte Stadt, Orte an denen ich war.

    Unvergessen die Glasspider Tour, 1987, vor dem Reichstag. Gegenüber, hinter der Mauer, an der Mauer, die Ost-Berliner Fans. An der Hauptstrasse 155 fahre ich oft vorbei.

    Ein großer Verlust.

    The German Willkommenskultur

    Dieses Bild ist am Nachmittag des dritten Advent entstanden. Der Journalist Matthew Bell und sein deutscher Kollege Frank Hessenland gingen für “The World” auch bei uns der Frage nach, was das eigentlich ist, dieses deutsche “Willkommenskultur”. Sie hatten das Chaos im LaGeSo erlebt, sie haben in Dresden mit Pegida Demonstranten gesprochen – und nun sitzen wir mit unseren syrischen Freunden bei Tee und Baklava und sprechen im Interview über privates Engagement und Flucht und Vertreibung. Wir sitzen im sicheren Berliner Südwesten, und wir hören Geschichten aus dem Krieg, von den verschiedenen Fluchtwegen, die jedes Familienmitglied nahm, von Erniedrigung und Angst in Handschellen, von Pass-Händlern und Schiebern.

    Vor etwa einem Monat hatten wir die Familie Kouko über die “Welcome Dinner” Initiative kennengelernt. Seitdem fühlen wir uns persönlich verbunden mit dem Schicksal der Vertriebenen. Wir helfen vor allem, wenn es darum geht, Kontakte herzustellen. Schnell lernen wir: Ohne gute Kontakte werden die Flüchtlinge weder aus den Containern herauskommen noch Arbeit finden. Keine Zeugnisse, keine Schufa, keine “Mietschuldenfreiheitsbescheinigung”, keine unbegrenzte Aufenthaltserlaubnis – es ist schwer, sich so zu integrieren. Große Wohnungsbaugesellschaften winken gleich ab. Flüchtlinge? Keine Chance. Nur durch persönliche Kontakte haben wir nun einen Wohnung gefunden und nach 8 Monaten Zug durch Heime und Container-Dörfer wird die Familie zum ersten Mal wieder in geschlossenen vier Wänden leben können. Auch auf dem Weg zu einer beruflichen Eingliederung konnten wir dem Sohn schon helfen. Aber was ist mit den vielen tausend Flüchtlingen, die jetzt nachgekommen sind? Wie fäßt man Fuß ohne diese persönlichen Kontakte in die deutsche Gesellschaft?

    Es gibt viele Menschen, die sich engagieren. Und es gibt Initiativen, die den Kontakt fördern und damit den Menschen eine schnelle Eingliederung ermöglichen.

    Es ist schön, dass offenbar im Ausland diese “German Willkommenskultur” wahrgenommen wird. Und das wir ein Teil davon geworden sind.

    “The World” berichtet -> hier über die Initiative. Die Sendung läuft heute abend um 21:00 Uhr und kann unter diesem -> Link gehört werden. Morgen dürfte dann auch der Stream freigeschaltet sein zum nachhören.

    Über Partnervermittler und Wegelagerer

    Komme gerade kopfschüttelnd aus einer Telko mit manetch, dem Veranstalter der “Digital Transformation Konferenz“. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ähnliches schon mit we-connect, den Veranstaltern der “Social Business Collaboration Konferenz” erlebt.

    Es gibt da offenbar eine interessante Entwicklung im Konferenzveranstalter-Business. Und die geht offenbar so:

  • Vor vielen Jahren: Konferenz-Teilnahme war ein teures Unterfangen. Die Speaker wurden aber ordentlich bezahlt. Das Business Modell war: Gute Speaker ziehen zahlende Kunden an.
  • Vor wenigen Jahren: Konferenzen werden Networking-Events. Teilnahme wird etwas günstiger, aber höchstens die Keynote-Speaker bekommen noch Geld. Insbesondere auf der Bühne stehende Consultants sollen froh sein, dass sie ein Publikum bekommen.
  • Aktueller Trend: Konferenzen sind nur noch Networking-Events. Die Teilnahme kostet viel. Und die Speaker sollen auch zahlen. Der Konferenz-Veranstalter ist nur noch “Konferenz-Teilnehmer-Optimierer” und sorgt dafür, dass alle möglichst viel zahlen, damit sie miteinander reden können.
  • Das heutige Angebot: Für 3.500 Euro darf ich einen Vortrag halten. Um das klar zu stellen: Nicht ich bekomme 3.500 Euro. Ich muss 3.500 Euro zahlen, damit ich die Veranstaltung bereichern darf.

    Und offenbar funktioniert das Konzept ja. Es gibt dem Anschein nach einen großen Bedarf an Möglichkeiten zum Austausch. Der C-Level wird adressiert mit hohen Preisen, kommt dann aber meist leider nicht. Und die Berater und Software-Anbieter werden gelockt mit dem C-Level, und bekommen dann in konzentrierter Form die zweite Ebene vorgesetzt.

    Ausnahmen gibt es natürlich. Viele tolle kleine Barcamps, bei denen die Teilnahme wenig kostet. Auch der Digital Workplace Day diese Woche war eine schöne Ausnahme, weil der Veranstalter zwar damit eine Werbeplattform für seine eigenen Leistungen geschaffen hat, aber dennoch viel Wert für kleines Geld geliefert hat.

    Aber auf die neue Generation der Partnervermittler schaue ich kopfschüttelnd und frage mich, ob das wirklich das neue Konferenz-Modell ist.

    Grenzkontrolle Reloaded

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    Alles wieder wie früher? Wieder an den Ausweis denken beim “Grenzübertritt”? War das wirklich zu viel Freiheit? Und kaufen wir nun Sicherheit auf Kosten der Freiheit? Stirbt langsam beides?

    Was wir übrigens bisher über die Pariser Terroristen wissen: Keine Syrer. Keine Flüchtlinge. Keine Verschlüsselung.
    Worauf sich die Hardliner stürzen: Syrer. Flüchtlinge. Verschlüsselung.

    Unser Leben könnte ein wenig unbequemer werden. Ein abgesagtes Fussballspiel ist erst der Anfang. Grenzkontrollen auch. Exakt das Gefühl, was die Terroristen gerne bei uns auslösen wollen.

    Aleppo. Berlin. Paris.

    Am Morgen nach den Pariser Attentaten bleibt blankes Entsetzen.

    Nur wenige Stunden vorher hatten wir Emad und seine Familie verabschiedet. Emad, 48 Jahre, Maschinenbau-Ingenieur aus Aleppo war auf abenteuerliche Weise zu Wasser und zu Land seiner Familie hinterhergereist. Frau und Kinder waren über Ägypten und weitere Zwischenstationen schon vorher nach Berlin gelangt. Er durfte nicht ausreisen. Männer werden gebraucht im Krieg. So floh er, seiner Familie hinterher.

    Anfangs noch unberührt vom Bürgerkrieg, so erzählt er, verwandelte sich ihr Wohnbezirk in eine Kampfzone. Sein Lebensplan, sein Unternehmen zu verkaufen und dann ins Ausland zu gehen, lag in Schutt und Asche. Von ihrem Haus fehlen jetzt die oberen Etagen, durch die mittlerweile fensterlose Wohnung im Erdgeschoss weht der Wind. Sie haben alles zurückgelassen.

    Wir hatten für das Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf und für Blogger für Flüchtlinge Geld gespendet, hatten auch Sachspenden bereitgestellt. Aber wir wollten auch näher ran, die Menschen kennenlernen trotz unserer begrenzten Zeit, die wir für freiwillige Initiativen aufbringen können. Emad und seine Familie hatten sich beim “Welcome Dinner Berlin” beworben für einen Abend bei einer Berliner Familie. Der Abend war gestern. Wir waren die Gastgeber.

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    Wir begegnen aufgeschlossenen, freundlichen und auch fröhlichen Menschen. Wir hören keine Klagen. Emad spricht englisch, seine Kinder sprechen überraschend gut deutsch. Der zwölfjährige Sohn besucht eine sogenannte Willkommens-Klasse in einem Berliner Gymnasium, die zwanzigjährige Tochter musste nach einem Semester Maschinenbau-Studium Aleppo verlassen – und würde nichts lieber, als hier in Berlin weiterstudieren. Einen Gasthörerschein hat sie schon. Gemeinsames auch im Generationen-Konflikt: Sie würde gerne in Richtung Architektur gehen, der Vater wünscht sich Maschinenbau. Wir sprechen über Zaha Hadid, die irakische Star-Architektin, und die Frage, wie und wo arabische Landsleute erfolgreich in der Welt sind.

    Wenig Hoffnung haben sie für ihr Land. Syrien versinkt im Bürgerkrieg. Die Familie plant die Zukunft in Deutschland. Für Emad steht fest, dass er schnell die Sprache lernen muss. Das fällt ihm nicht mehr so leicht wie seinen Kindern. Russisch, so sagt er, habe er in seiner Jugend noch schnell gelernt. Deutsch fällt ihm nun schwerer. Aber er ist zuversichtlich. Die Erfahrungen zeigen ihm, dass er weder Arbeit noch Wohnung bekommt, solange er unverkennbar arabisch englisch spricht. Er möchte möglichst schnell das Flüchtlingsheim verlassen, sucht eine 2 bis 3 Zimmer Wohnung, 700 Euro kann er dafür aufbringen. Die Vermieter winken immer ab. Eine arabische Familie im Haus will kaum ein Eigentümer.

    Wir wundern uns. Eine Familie, die absolut integrationsfähig und willig ist, muss 8 Monate lang von Flüchtlingsheim zu Flüchtlingsheim ziehen. Ein ausgebildeter Ingenieur ohne Arbeit. Eine Lehrerin ohne sinnvollen Einsatz. Eine angehende Architektin ohne Studienplatz. Wir hätten keinen Zweifel, dass sie innerhalb kürzester Zeit zu Steuerzahlern werden könnten und sie eine Bereicherung für unser Land sein würden – wenn man sie nur lassen würde.

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    Es ist ein heiterer Abend. Die Kinder verstehen sich sofort. Gemeinsam Halal-Burger zu braten und zu essen eint die Jugend. Die Erwachsenen genießen levantinische Spezialitäten und – eine Referenz an unseren spanischen Gast am Abend – Paella. Der kleine Syrer träumt von “Spiderman 3”, und die Jugend einigt sich auf die “Minions”. Nicht viel trennt an diesem Abend Aleppo von Berlin. Wir reichen uns alle die Hand. So leicht, so lebendig, so interessant hatten wir uns diesen Abend nicht vorgestellt. Nachdenklich über das Schicksal dieser Familie, aber dennoch zuversichtlich, dass im Grunde die Gewalt in der Welt die Ausnahme ist, gehen wir zu Bett. Der Glaube an das Gute, das uns alle eint, beherrscht unsere Gespräche.

    Als wir aufwachen, hören wir von den Ereignissen der Nacht. Während wir im Zeichen des Miteinander den Abend verbrachten, starben in Paris Menschen als Folge von Fanatismus und Terror. Fassungslos lesen wir die Reaktionen, bedauern das Leid, fürchten die Folgen. Präsident Holland spricht von Krieg, das Säbelrasseln beginnt, die üblichen Verdächtigen schüren schon das Feuer, das Flüchtlinge und Terror in einen Zusammenhang stellt und auf dem Leid der Opfer die eigene Agenda aufbauen soll.

    Wir denken an Emad, seine Familie, die anderen heimatlosen, ausgebombten und vertriebenen Menschen. Und wir wünschen uns allen, dass die grausamen Ereignisse von Paris die Menschen nicht weiter auseinanderbringen – sondern dass das Miteinander gelingt.