Konferenz Tourismus


Lots of traveling ahead. Die nächste Woche steht im Zeichen diverser Konferenzen, und es braucht diese Pausen zwischen den Kundenprojekten, um mal wieder frische Gedanken zu tanken, sich auszutauschen über digitale und analoge Themen und andere Sichtweisen und Perspektiven kennenzulernen, die man dann wieder in die Kundenprojekte einbringen kann.
In Halle 5 der CeBIT steigt Montag und Dienstag die CeBIT Enterprise Digital Arena, die ich gemeinsam mit Ellen Trude moderieren werden. Schaut vorbei, wir haben sehr viele interessante Gäste und Themen. Der gestrige Hangout, unter anderem mit Harald Schirmer und Katharina Krentz, sei als Einstimmung empfohlen. Ebenso sehens- oder hörenswert der Hangout mit Sabine zum Thema "Zukunft der HR". Überhaupt Sabine: Es ist eher ungewöhnlich, dass Partner sich plötzlich in einem Themenbereich wiederfinden. Bei uns ist das seit einem Jahr am Köcheln, und nun stehen wir beide auf der selben Bühne, sowohl bei der CeBIT Enterprise Digital Arena, als auch am Donnerstag in Utrecht auf dem "CongresIntranet." Hat was von Mr. and Mrs. Smith.
Auf Utrecht freue ich mich ganz besonders, denn dort werden wir auf Lee Bryant, Luis Suarez und John Stepper treffen - dürfte ein sehr unterhaltsamer Ausflug in die Niederlande werden.

Hoffe viele von Euch zu treffen in der nächsten Woche.

Ein Haus am Meer

Es muss 1989 gewesen sein, als ich das erste Mal von einem lieben Freund nach Ahrenshoop verschleppt wurde. Das Licht, die Mischung von Steilküste, Weststrand und Bodden, alles in Laufnähe an der schmalsten Stelle des Fischlands - all das hat mich sofort gefesselt. Die Trümmer des Sozialismus standen zwar auch deutlich sichtbar in Form eines hässlichen Betonklotzes namens „Kurhaus“ gegenüber vom Strandübergang - aber es war auch klar, dass dieses kleine Nest anderen, ehemals sozialistischen Nachbardörfern einiges voraus hatte. Im Künstlerdorf Ahrenshoop hatte man weitgehend darauf geachtet, das Dorfbild zu erhalten - das lag sicher auch daran, das die Nomenklatura sich dort regelmäßig zur Sommerfrische aufhielt, das unbescheidene Anwesen von Schalck-Golodkowski zeugt noch heute davon.

Ein stillgelegtes Ferienheim eines Thüringer VEB wurde für uns Studenten die Heimat bei vielen Ausflügen. Hier wurde heftig darüber gestritten, wie unsere erste Firma, ein Seminaranbieter und Dozentenpool, heißen sollte und welche Farben das Logo tragen sollte. Hier bereiteten wir uns auf Uni-Prüfungen vor, feierten denkwüdige Silvester-Partys, holten frischen Fisch vom Fischer in Born und genossen Lachsforelle oder Boddenzander.

Ahrenshoop
Das Gebäude musste mit Kohle geheizt werden, es roch nach dem typischen Reinigungsmittel der DDR. Ursprünglich sollte es schnell abgerissen werden und einer Ferienhaus-Siedlung weichen. Aber die Verhältnisse waren offenbar kompliziert, in Ahrenshoop redet der örtliche Bauausschuss mehr mit als anderswo - und hat so vermutlich verhindert, dass es bis heute zu keinen schlimmeren Auswüchse gekommen ist. Und so fuhren wir Jahr um Jahr nach Ahrenshoop, und als das alte Ferienheim dann doch irgendwann abgerissen wurde, haben wir das Ritual dennoch beibehalten. In Ahrenshoop wurden nicht nur Firmen gegründet, Krisen bewältigt, Projekte gestartet - hier fand über lange Jahre der jährliche Kick-Off der K Consulting Group AG statt, inklusive Teambuilding auf dem Acker und am Steilufer.

Ahrenshoop Herbst 2008 Später buddelten hier die Kinder ihre ersten Löcher in den Sand und wir bezwangen gemeinsam die Lenkdrachen im Sturm.

Der Traum war schon immer, hier unter Reet (örtlich heißt hier vor Ort das Rohr oder Schilf) eine zweite Heimat zu finden. Zwischendurch verkauften wir unser Unternehmen, es ging eine Ehe in die Brüche - und auch in diesen Lebenskrise war Ahrenshoop die Zuflucht.

Aber welch eine schöne Wendung, dass mit einer neuen Liebe eine alte Liebe verbunden war - wir teilten beide schon ein Jahrzehnt, unabhängig voneinander, die Leidenschaft für diesen Ort mit dem besonderen Licht. In der alten Schifferkirche haben wir geheiratet, im alten Elisabeth von Eicken gefeiert.
Ein kleines Fest am Meer
Jahrelang drückten wir uns nun gemeinsam die Nase platt an den Ausschreibungen der örtlichen Makler. Wir waren kurz davor, das „Deichhaus“ am Grenzweg zu kaufen, direkt am Deich, Blick auf die See, zurückgebaut und entkernt bis auf die Außenmauern. Kurz vor dem Notartermin bekamen wir nasse Füße. Damals vermutlich die richtige Entscheidung, sonst hätten wir keine Luft mehr gehabt, unseren Traum in Berlin zu realisieren.

Vor fast zwei Jahren, wir hatten uns gerade nach einer Umschuldung von den finanziellen Lasten des einen Bauvorhabens erholt, liefen wir am Weg zum Kiel an einem Haus vorbei - mit frisch aufgestelltem „Zu Verkaufen“ Schild. Es war offenbar der richtige Moment. Das Schild war noch frisch, es war früh im Jahr und noch nicht allzu viele Leute waren daran vorbeigekommen - wir klingelten bei den Besitzern, und dann ging alles sehr sehr schnell. Und sind mit einem Bein in Ahrenshoop angekommen.

Letzte Woche haben wir Richtfest gefeiert. Unser „Hyggelig Hus“ Rohbau steht.
Manchmal können wir noch gar nicht glauben, dass es da ist und wir es geschafft haben, so ein Schmuckstück auf die Halbinsel setzen zu dürfen. Es klingt sicher pathetisch, aber ich kann es gar nicht anders sagen. Wir sind so dankbar, dass wir es hierhin geschafft haben.

Forty Nine

number 4 number 9

Intranet? CongresIntranet!

Intranet? Yes, it´s still there. But no matter if we talk about „Enterprise Social Networks", „Social Intranet“ or „Digital Workplace" these days - its all about enabling communication and collaboration in a networked environment and helping organizations adapting the #NewWayToWork. Very happy to be part of the speaker lineup at IntranetCongres in Utrecht. If you really want to learn about the challenges of the Digital Workplace and meet the three musketeers - join us at CongresIntranet.

Wir amüsieren uns zu Tode

[...] The central argument of Amusing Ourselves is simple: there were two landmark dystopian novels written by brilliant British cultural critics – Brave New World by Aldous Huxley and Nineteen Eighty-Four by George Orwell – and we Americans had mistakenly feared and obsessed over the vision portrayed in the latter book (an information-censoring, movement-restricting, individuality-emaciating state) rather than the former (a technology-sedating, consumption-engorging, instant-gratifying bubble). [...]
Ich habe Neil Postmans Buch vor über zwanzig Jahren verschlungen und mit Blick auf den weichgespülten und intellektuell tiefergelegten Medien-Brei genau an dieser Stelle genickt und immer und immer wieder dieses Zitat angebracht. Es ist nicht Orwells Vision, die wahr zu werden drohte, sondern Huxleys.
What Orwell feared were those who would ban books. What Huxley feared was that there would be no reason to ban a book, for there would be no one who wanted to read one. Orwell feared those who would deprive us of information. Huxley feared those who would give us so much that we would be reduced to passivity and egoism. Orwell feared that the truth would be concealed from us. Huxley feared the truth would be drowned in a sea of irrelevance. Orwell feared we would become a captive culture. Huxley feared we would become a trivial culture.
Sein Sohn mit einer posthumen Würdigung für diese These im Guardian und klaren Empfehlungen, unter anderem folgende Appelle an uns: 1. Falsche Anschuldigungen sollten Herausforderungen für uns sein: Wir haben mit diesem Internetz die Möglichkeit, Dingen auf den Grund zu gehen - wenn wir nicht nur auf den ersten Google Treffer klicken. 2. Nicht von den "Medien" erwarten, dass die diesen Job machen. Einige tun es, andere verkaufen vor allem Klicks. 3. Bildung. Bildung. Bildung. Es ist absolut notwendig, dass unsere Schulen zukünftig den Kindern bereits beibringen, wie man mit Informationsquellen umgeht, wie man selber recherchiert und wie Medien funktionieren. In meinen Augen eine gigantische Aufgabe, die derzeit schon bei der Ausbildung der Lehrer scheitert. Es gibt so viele Initiativen, die dazu beitragen wollen, wieder eine kritische Öffentlichkeit herzustellen und den grassierenden Populismus zu begegnen. Schmalbart ist eine davon, Carsten Rossis "Die bessere Achse" eine andere. Wir sollten das unterstützen. -> weiterlesen

Don´t put people in Boxes

Starke Botschaft

Starke Botschaft an das amerikanische Publikum in diesen Zeiten voller Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz. -> Story

CeBIT ante portas – Enterprise Digital Agenda

Die CeBIT wirft ihre Schatten voraus. Ich werde das eine oder andere Panel moderieren. Und im Vorfeld durfte ich ein paar Gedanken zu #DigitalWorkplace und #DigitalTransformation los werden. -> weiterlesen

Kluges Haus

Planungssitzung Haus am Meer mit @netzabine #hyggelighus

Ein von Alexander Kluge (@alecmcint) gepostetes Foto am

Wir bauen mal wieder. Ein kleines Haus am Meer wird es werden. Und während wir beim letzten Bau das Thema Smart Home noch nicht sinnvoll integrieren konnten, ohne einen gigantischen Serverschrank, dicke Kabelbäume und teure KNX Technik zu verbauen, scheint jetzt alles leichter.
Das Berliner Heim wurde mit allen möglichen Standalone Lösungen nachgerüstet:
  • Hue für ein paar ausgewählte Leuchten: Nett, aber wird von der Gattin ignoriert. Eine App starten zum Lichtauschalten? Never. Licht aus geht nur mit Schalter. Damit ist dann natürlich auch Hue unbrauchbar.
  • Alarmanlage: Auf Tastenfeld und ähnliches verzichtet, reine App Steuerung durch Comvis App. Geht. Aber zwingt nicht zur Nutzung. Der Fehlalarm ist mein Freund. Kopplung von Alarmanlage an bestimmte Lichtszenarien bei Hue? Nur mit Kopfstand.
  • Die neuste Errungenschaft: Sauna-Fernsteuerung mittels Loxone Mini-Server. Sehr nett, hat den Sauna-Konsum im klugen Haushalt extrem in die Höhe getrieben (Gattin im Auto so „Mir ist kalt machst Du zu hause schon mal die Sauna an“, alternativ Pubertier faul im Bett rumlungernd „Bevor ich aufstehe mach ich schon mal die Sauna an“)
  • Darüberhinaus versehen smarte Mäh- und Saugroboter ihren Dienst. Auch diese gehorchen nicht irgendwelchen Verknüpften Befehlen.

  • Alle Gerätschaften reden nicht miteinander. Auf Apple HomeKit hören sie auch nicht: Hue bräuchte eine neue Basisstation, ach, überhaupt müßte man alle Gerätschaften austauschen. Yonomi war schon mal ein tauglicher Ansatz, mehrere Gerätschaften miteinander zu verknüpfen, tat aber mit dem Sonos nicht immer was ich wollte. Szenarien wie „Alle haben das Haus verlassen, Alarm Anlage an, Saugroboter fährt los, Lichtautomatik an“ gehen so nicht.
    Für den Neubau könnte man nun beispielsweise das System von Loxone einsetzen. Aber auch hier: Kabel zu jedem Aktor, kryptisches Windows-only Admin-Panel, und die Frage: Ist das eigentlich zukunftsfähig, Vermutlich ist es erstmal keine dumme Idee, überall ein LAN Kabel hinzulegen, wo später was gesteuert werden soll. Aber will man in einem Haus, das auch vermietet wird, Gäste mit smarten Lichtschaltern verwirren? Selbst ich finde es gruselig, wenn ich in einem Hotel auf so eine smarte Lichtschaltung stoße, die ich nicht verstehe. Die Kluge Gattin hat daher schon Licht traditionell bestellt.
    Was der Kluge Gatte aber will:
  • Türzugang mittels smarten Schließzylinder: PIN code für Gäste remote vergeben. Zeitstempel dran, fertig. Gibt viele Lösungen mit lokaler Administration. Das bringt mir nichts. Ich will remote. (Jaja, Sicherheit, ja…Ich will es aber)
  • Heizung zentral fernsteuern - heute zumindest schon einigermaßen leicht ab Hersteller. Kein Gast im Haus, Heizung runter. Kluge Leute im Anmarsch: Heizung rauf. Nest macht es ja vor, sollte kein Problem sein
  • Licht: Kann man natürlich auch via Hue oder Fritz Smarthome Stecker lösen.

  • So, und nun Ihr, liebes Internetz: Wer von Euch steuert denn was genau alles fern? Mit Smarthome Server Server wie Loxone? Oder alles mit diversen Apps. Oder via Plattform, die noch nicht kenne? Danke vorab für Eure Anregungen.

    Year In Search 2016

    7 auf einen Streich

    img_0615 DAS ist wirklich große Klasse: SONOS bietet ab Version 7 die Spotify App als Client an. Ein Riesenvorteil, denn nun öffnet man wie gewohnt die Spotify App, nutzt das gewohnte Interface und wählt als Gerät den SONOS Raum. Die Navigation in der SONOS App zu Spotify entfällt. Letztlich dürfte das die Welt für SONOS auch viel einfacher machen. Bisher mussten die Software Entwickler alle Musikanbieter in der SONOS App integrieren - vermutlich ein viel zu hoher Aufwand, wenn man den Änderungen der Streaming-Dienste und Musik-Anbieter hinterherprogrammieren muss. (Aktuell ist die Version 7 noch in Beta, daher Vorsicht. Aber ich konnte nicht warten)

    Digitalisierung in der Schule? Finger in die Ohren.

    Wenn es nicht alles so traurig wäre. Eigentlich habe ich schon vor den Bildungs-Skeptikern der alten Schule resigniert. Ich. Kann. Es. Nicht. Mehr. Hören. Weltuntergang Digitalisierung, schaut Euch nur die Jugend an, liest kein Buch mehr, starrt nur noch auf Bildschirme, hat keine sozialen Kontakte mehr, #undsoweiterundsofort. Dass das, was die verzogene Brut da den ganzen Tag tut, Lesen, Schreiben, Kommunikation, ja sogar Zusammenarbeit, und - oh Schreck- sogar LERNEN ist, das kann nur verstehen, wer auch teilhat an dieser Entwicklung. Wie soll ich einem Digitalabstinenzler Twitter erklären? Oder Snapchat? Hoffnungslos, wenn man es nicht selber wenigstens mal ausprobiert. Seit meinem letzten Rant zu den Äußerungen des großen Hirn- und Entwicklungsforscher Dr. Manfred Spitzner, dem Kronzeugen der Digitalisierungs-Gegner auf jedem Elternabend und in jeder Talkshow, ist einige Zeit vergangen. Nun mischen sich in den letzten Tagen im Zuge der Digitalisierungsdiskussion in deutschen Schulen hochkompetente Menschen wie Josef Kraus ein, 67 Jahre alt, pensionierter Schulleiter, und offenbar Sprecher der deutschen Lehrerschaft. Und diese Ansichten lassen einem die Haare zu Berge stehen als Vater zweier Jugendlicher. Das hoch renommierte altsprachliche Gymnasium ist nicht im Ansatz in der Lage, den Jugendlichen die neuen Medien und ihre intelligente Nutzung nahe zu bringen. Die Lehrer rücken heute noch mit Overhead-Projektoren an und halten das repetitive Wiedergeben von Zahlen, Daten, Fakten für eine Kernkompetenz. Die Hochrüstung mit Smartboards, die fast keiner der Lehrer sinnvoll in seinen Unterricht einzubringen gelernt hat, hat nichts, aber auch gar nichts mit den Herausforderungen der digitalen Transformation zu tun. Ich empfehle daher ausdrücklich die Lektüre dieses Spiegel Artikels "Nicht hören. Nicht sehen. Nicht digitalisieren.":
    Wer nicht versteht, wie Software funktioniert, wer den ersten Google-Treffer prinzipiell für die richtige Antwort hält, wer nur noch "Call of Duty" und gar nicht mehr Fußball spielt, für den hat die Digitalisierung vermutlich mittelfristig tatsächlich negative Auswirkungen. Wer ihr aber begegnen möchte, in dem er die Zeigefinger fest in beide Ohren steckt und laut "lalalalala" ruft, den wird sie überrollen und zurücklassen.
    Ich habe dazu schon vor einigen Jahren mal was ins böse Netz getippt. Mein Appell an die Eltern und Lehrer frei nach Holm Friebe:
    Trotz allen Unbehagens in den Tretmühlen des Fortschritts sollten wir Älteren uns davor hüten, uns das wärmende Wams des Kulturpessimismus überzustreifen.
    Macht Euch vertraut mit den Dingen, die da draußen in diesem Interdings passieren. Setzt Euch neben die Jugend, schaut zu, was sie tun. Versucht, zu verstehen. Die nächste Generation ist gerade dabei, mit digitalen Mitteln eine neue Welt zu erschaffen. Ob wir es wollen oder nicht. -> "Nicht hören. Nicht sehen. Nicht digitalisieren.

    Syrian Barbecue

    Vor noch nicht einmal einem Jahr traf eine syrische Flüchtlingsfamilie bei uns zum Abendessen ein. Wir wollten die Flüchtlingskrise nicht nur aus der Zeitung erfahren, sondern die Menschen selber kennenlernen. Und auch ein klein wenig etwas dafür tun, das "wir das schaffen". Am gleichen Abend starben Menschen in Paris. Und die Stimmung kippte immer weiter in Deutschland. Ein Grund mehr, zumindest dieser Familie zu helfen. Als wir im Dezember "The World" zu Gast haben und eine Sendung über die German Willkommens Kultur entsteht, hatten wir schon eine Wohnung für die Eltern mit den jüngeren beiden Kindern organisieren können. Einige Zeit später hatten wir auch endlich eine kleine Wohnung für den erwachsenen Sohn. Völlig unklar bleibt uns, wie Menschen aus Syrien das alles ohne Hilfe von engagierten Bürgern hätten schaffen können. Amtsschimmel, Blockade-Haltung bei Behörden, Vorbehalte bei den Vermietern. Alles kaum zu überwindende Hindernisse. Als unser Artikel von der Huffington Post publiziert wird, spüren wir zum ersten Mal durch die Kommentare, welcher Wind außerhalb unserer Filterblase weht: bildschirmfoto-2016-09-19-um-22-27-50 bildschirmfoto-2016-09-19-um-22-27-44 bildschirmfoto-2016-09-19-um-22-27-11 bildschirmfoto-2016-09-19-um-22-27-01 Das hat uns ziemlich getroffen. Und als kurz darauf unsere Fassade mit Eiern beworfen wird, wurde uns "Bessermenschen" durchaus mulmig. Unser Ziel war ja nicht, uns mit "Gutmenschentum" zu schmücken, sondern andere zu animieren, auch zu unterstützen. Wie sehr dieses Thema die Fliegen anzieht, zeigt sich nicht nur in diesen Kommentaren, sondern in Bautzen, in Mecklenburg-Vorpommern und am Sonntag in Berlin. Während wir also am gestrigen Berliner Wahlabend ein "syrisches Barbecue" mit den Freunden bei uns im Garten organisieren, zieht die AFD in die Parlamente ein. Während Aleppo immer mehr zu Trümmerwüste wird, bekommen Rechtsradikale ein Mandat vom Wähler. Für uns steht fest: Jetzt erst recht. Denn wir hatten einen wunderbaren Abend, an dem uns zum ersten Mal auch bewußt wird: Wir sprechen nicht mehr Englisch. Wir sprechen Deutsch miteinander. Die Familie findet sich immer besser zurecht. Wir unterhalten uns bestens, die Männer streiten über die beste Grill-Technik, die Jugend tauscht sich aus zu Musik und Film. Bei allem Ärger über die Stimmung in diesem Land: Uns macht das Hoffnung. Integration geht nur mit der Hilfe aller. Lassen wir uns nicht von diesen Deppen unterkriegen.

    RIP Wolfram Siebeck

    Gestern abend dann auch noch diese Nachricht: "Jetzt ist auch der Vater von Frau Hoffmann gestorben" sagt die bessere Hälfte zur Begrüßung. Es dauert ein wenig, bis bei mir der Groschen fällt. Wolfram Siebeck war irgendwie immer Teil unseres Lebens. Wir haben ihn nie getroffen. Aber wir mochten ihn sehr. Viele seiner Weisheiten sind in den Sprachgebrauch der klugen Familie übernommen. Ja, Wolfram Siebeck war elitär. Und arrogant. "Ich bin elitär! Manche sagen ja auch, ich sei arrogant. Ich bin arrogant!" Er durfte das. Er war mittellos, als er anfing. Und wurde eine der ganz großen prägenden Personen des guten Geschmacks - nicht nur später im Klugen Haushalt. Als er einmal jungen Restaurantkritikern vorwarf, dass Sie erst an Familie, Auto und Haus dachten, prägte er einen unserer liebsten Sprüche: "Junge Journalisten heute, die wollen erst mal eine Familie gründen, eine Wohnung kaufen, ein Auto. Die gehen nicht auf eigene Kosten in ein feines Restaurant, um sich zu bilden. Ich habe ganz Europa abgefressen aus eigener Tasche, das war sozusagen mein Universitätsstudium, es war wunderbar." Seitdem heißt es bei uns auch: Wir haben uns schließlich auf eigene Kosten durch halb Europa gefressen. Wir dürfen auch mal nörgeln. Ob er seine Henkersmahlzeit Austern und Wein bekommen hat?
    "Fast würde ich sagen, das reicht schon. Obendrauf noch eine Krabbe und ein Stück vom Hummer und ein paar Muscheln. Also am besten eine Platte fruits de mer, wie man sie in der Bretagne überall kriegt. Ja, das wär's."
    Wir wünschen es ihm. -> Nachruf in der ZEIT

    The ultimate TED Talk

    "Chart! Chart! Chart! Chart! Statistics!". Made my day. Thank you, vowe.

    Wetten auf die Autonomie

    Autonome Wette Ich habe eine Wette abgeschlossen, dass es bis 17.5.2025 ein voll autonomes Auto mit deutscher Strassenzulassung geben wird. Zu gewagt? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Entwicklung in exponentiellen Schritten voran geht, und auch Deutschland langsam aus dem elektroautomobilen und autonomen Dämmerschlaf langsam erwacht. Gesetzgebung, Juristen, Versicherungen, Lobbyisten werden sicher noch jede Menge Senf dazu geben, aber bis 2025 ist ja auch noch ausreichend Zeit, um sich gegen böse Buben aus dem Silicon Valley protektionistisch zu wehren und dann mit einer Lösung daher zu kommen. Google experimentiert seit 2009 mit driverless cars (auch wenn sie es erst 2010 veröffentlicht haben). Mittlerweile fahren Mercedes LKWs autonom durch die Gegend. Ab 2017 rollt Volvos Wüstenschiff XC90 autonom durch Göteborg. Nissan plant, autonome Autos ab 2019 zu verkaufen, Ford ab 2020. Und Uber verbreitet das Gerücht, 2023 eine Flotte von fahrerlosen Google Autos auf die Strassen zu schicken. Ich glaube, ich werde am 17.5.2025 eine Flasche Schampus gewinnen.

    Kanal voll

    Kanal voll Früher war die Welt einfach. Am Anfang der elektronischen Kommunikation landete alle Post in meinem Compuserve-Account. Aus heutiger Sicht war das Arbeit mit dem Faustkeil, aber das Prinzip dieses Werkzeugs beherrscht nach wie vor die Amtsstuben dieser Welt. Asynchrone Kommunikation im Push-Mode. Probleme wird man los, indem man sie in die nächste Mailbox schiebt. Blechbriefkasten vor der Tür ersetzt durch elektronischen Briefkasten. Sequentielle Abarbeitung. Inbox leer. Tagwerk getan. Schon kurze Zeit später bröckelte die elektronische Monokultur. AOL Instant Messanger und ICQ brachten Real Time Chat in mein Leben. Ab sofort also mehrere Kanäle synchron, ein Kanal - e-Mail - weiterhin asynchron. Auch das ließ sich noch ordentlich verwalten. Heute, 20 Jahre und viele Werkzeuge später, sieht der aktuell gültige morgendliche Info-Check so aus: 1. Facebook 2. WhatsApp 3. Mail 4. Twitter 5. Und ja, zum Leidwesen der Jugend, jetzt auch Snapchat Dazu kommen dann diverse Kundennetzwerke: - 1 * Yammer - 1 * Sharepoint - 3 * IBM Connections - 1 * Alfresco Wenn nötig garnieren wir das noch mit iMessage/SMS. Im Hintergrund werkeln Google Talk und, wenn ich es zulasse, auch mal Skype. Und nun auch noch Slack. Wer heute nicht in persistenten Chat-Räumen seinen Geschäften nachgeht, ist sowas von 2015. Slack war die letzten 12 Monate der Heilsbringer, der e-Mail-Killer. Derzeit dreht allerdings ein wenig der Wind:
    „The narrative has slowly switched from ‘How Slack killed email’ to ‘How Slack killed my productivity’.“
    Slack-Nutzer, die vorher ob so viel transparenter Kommunikation und offener Zusammenarbeit statt e-Mail-Lawinen geschwärmt haben, beichten nun, dass ihr Arbeitstag mit Slack in ein einziges nicht enden wollendes „Franken-Meeting“ gewandelt zu sein scheint. Wer kontrolliert wen? These: Nicht ich kontrolliere meine Kommunikationsströme - die Kommunikation kontrolliert jetzt mich. Das liegt natürlich nicht am Werkzeug. Es liegt an mir und den vermeintlichen Erwartungen der Kollaborateure. e-Mail wurde auch als Terror empfunden, Mobilität sowieso, wenn der Chef dann um 23:00 noch ein Mail sendete, entstand Druck. Der zu erwartende Beißreflex: Mail-Server ab 18:00 herunterfahren. War meines Wissens nicht sonderlich erfolgreich bei VW. Wie vieles andere auch. Liegt ja auch nicht am Werkzeug, es liegt am Menschen. Jederzeit immer und überall kommunizieren zu können, erzeugt Druck. Von innen (inneres Belohnungssystem) und von außen (Mitarbeiter ist erreichbar, Führungskraft erwartet Erreichbarkeit). e-Mail war dagegen einfach: e-Mail ist linear. e-Mail ist Push-Mode. Chef schickt e-Mail. Mitarbeiter arbeitet Inbox ab. Mit „Antwort an alle“ werden alle Kollegen in die Arbeitsbeschaffung mit einbezogen. Mit Anhang. Danach wegsortieren in irgendeine private Sortier-Logik, die niemanden interessiert, weil den Kontext der Ordner sowieso nur der Eigentümer der Mailbox versteht. Wenn der Mitarbeiter ausscheidet, wird die Mailbox gelöscht. Daten, Information, Kontext, vielleicht auch Wissen - weg. Rettungsanker Social Heilsbringer sollten die Social Tools sein. Arbeiten in Communities, offen, partizipativ. Kontext für alle sichtbar. Pull statt Push. Mitarbeiter folgen ihrem Chef. Oder den Kollegen. Sie folgen Inhalten, Communities, Blogs, Wikis. Sie kommentieren im Kontext. Mit „Empfehlungen“ weisen sie Kollegen auf wichtige Inhalte hin. Der „glückliche Zufall“ namens Serendipity läßt sie auf spannende neue Zusammenhänge stoßen. Alle können sich beteiligen und wichtige Beiträge leisten, wo sie vorher nur in ihrer Mailbox das serviert bekommen haben, was sie taylorisiert bearbeiten sollten. So weit das Ideal. Nun gibt es jede Menge Menschen, die viele Kanäle bedienen können, privat und im beruflichen Kontext. In der Filterblase twittern, facebooken, snapchatten, instagrammen wir parallel zur Nutzung von Slack, Confluence, Yammer und IBM Connections. Kanal voll Die wenigsten Nutzer in Unternehmen kommen aber mit diesem Prinzip zurecht. Die Welt war einfach bevor alles social wurde. FOMO, die Angst etwas zu verpassen, grassiert. In internen sozialen Netzwerken entwicklen nun Mitarbeiter Mechanismen, um den Push-Mode von e-Mail zu erhalten, damit die eigene Botschaft nicht untergeht. Damit niemand sagen kann, ich als Mitarbeiter hätte nicht deutlich mein Anliegen adressiert. Das führt zu wahren Lawinen von @-Erwähnungen - damit man ganz sicher ist, dass die gesamte Abteilung ihren Einsatz nicht verpaßt. Die Reinkarnation von e-Mail im Gewand der sozialen Medien. Mißtrauen, dass der andere den richtigen Vorgängen folgt und sich selber seine Informationen für die Verfolgung seiner Aufgabe zieht, beherrscht das soziale Medium. Begleitet von der Angst, die zeitnahe taktgenaue Lieferung auch ja dokumentieren zu können in der taylorisierten Bürowelt. Hochbezahlte Wissensarbeiter mutieren im Büroalltag so zu Verwaltungsfachangestellten. Vorgang bearbeitet. Stempel drunter. Umlaufmappe weiterreichen. In dieser Welt hat eine Vielfalt von Kanälen keinen Platz. Die Grundweisheit: Das Tool ändert noch lange nicht die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Es ist nicht das Werkzeug, es ist die Kultur der Zusammenarbeit, stupid. Wer offline nicht „anders arbeitet“, wird das online auch nicht tun. The one long franken-meeting Selbst in den hippen Startups, in denen e-Mail ein Nischendasein fristet und die Nutzung von Slack auf Offenheit, Transparenz und Hierarchiefreiheit basiert, fordert das „one long franken-meeting“ die Mitarbeiter ordentlich heraus.
    "while [social] has replaced the tyranny of email for many, it has unleashed a chaotic tyranny of its own."
    Im Aktivitätenstrom rauschen Postings, Antworten, Empfehlungen vorbei. Ständig könnte man etwas kommentieren, würde gerne belangloses Zeug vom Kollegen ausblenden, traut sich aber nicht, weil es könnte ja auch was wichtiges dabei sein. Eine neue Form von Stress, viel kleinteiliger und enger getaktet als bei e-Mail hat Einzug gehalten in die vormals prozessural so schön durchstrukturierte Arbeitswelt. Mitarbeiter und Arbeitsgruppen suchen sich dann wieder ihre ruhigen Ecken - auch das ein Phänomen, das Mossberg in seine Slack-Beobachtungen teilt:
    "because of the sea of talk and the fact that everything in a standard channel is open to all, more and more people are resorting to private, closed discussions, even while using Slack. The company says that, in its early days, about 70 percent of its usage was in public channels. Now, 70 percent is in direct-messaging sessions or private channels."
    Auch die Forderung nach „Threading“ in Slack zeigt den Wunsch nach Ordnung. Und egal, ob Facebook oder Slack, der tradtionelle Wissensarbeiter hätte gerne eine funktionierende Suche. Ja, rufen dann die Verkünder der #sofortness, uns interessiert nur noch das "hier und jetzt" und Dinge, die jetzt publiziert sind, interessieren in kürzester Zeit eh keinen mehr. Inhalte sind nur noch kurzlebig, so der Ansatz, nach drei Tagen interessiert ein Post nicht mehr, warum ihn also wiederfinden wollen? Es ist ein kreuz. Die neuen Werkzeuge machen Sinn, sie sind nicht mehr wegzudenken. Man gewinnt Transparenz, man verliert Linearität. Man gewinnt Kontext, aber man verliert Fokus. Es hilft offensichtlich nichts: Der Filtermuskel im eigen Hirn muss trainiert werden auf mehr Durchlässigkeit, der Lohn ist Serendipität, der Preis ist FOMO. Warum ich das alles schreibe? Meine Frau sagt gerne, wen sie mir ein Problem auftischt und ich sofort nach einer Lösung suche: "Ich will nur drüber reden, ich will keine Lösung". Genau. Ich wollte nur mal drüber reden.

    Q´s Drone Band

    Die taumelnde Gesellschaft

    Werden die Verlierer der Automatisierung anfällig für Populisten, für den «autoritären Traum», wie Sie das genannt haben? Die Verlierer und diejenigen, die sich fürchten vor Verlust. Die Anhänger der AfD sind ja keine armen Menschen. Das sind die Lehrer und Ingenieure, die ihre Pension haben und nichts abgeben wollen. Der autoritäre Traum denkt zudem in Kollektiven und historischen Schicksalen. Denken Sie an Putin, Erdogan, Hindu-Nationalisten in Indien oder Trump. Diese Leute sprechen von der jeweiligen einzigartigen Kultur, wo man vor 80 Jahren noch den Begriff der Rasse verwendet hat.
    Der Autor und Historiker Philipp Blom im Schweizer Tagesanzeiger -> "Wir werden ärmer werden"

    Space Oddity