Wetten auf die Autonomie

Autonome Wette

Ich habe eine Wette abgeschlossen, dass es bis 17.5.2025 ein voll autonomes Auto mit deutscher Strassenzulassung geben wird. Zu gewagt? Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Entwicklung in exponentiellen Schritten voran geht, und auch Deutschland langsam aus dem elektroautomobilen und autonomen Dämmerschlaf langsam erwacht. Gesetzgebung, Juristen, Versicherungen, Lobbyisten werden sicher noch jede Menge Senf dazu geben, aber bis 2025 ist ja auch noch ausreichend Zeit, um sich gegen böse Buben aus dem Silicon Valley protektionistisch zu wehren und dann mit einer Lösung daher zu kommen.

Google experimentiert seit 2009 mit driverless cars (auch wenn sie es erst 2010 veröffentlicht haben). Mittlerweile fahren Mercedes LKWs autonom durch die Gegend. Ab 2017 rollt Volvos Wüstenschiff XC90 autonom durch Göteborg. Nissan plant, autonome Autos ab 2019 zu verkaufen, Ford ab 2020. Und Uber verbreitet das Gerücht, 2023 eine Flotte von fahrerlosen Google Autos auf die Strassen zu schicken.

Ich glaube, ich werde am 17.5.2025 eine Flasche Schampus gewinnen.

Kanal voll

Kanal voll

Früher war die Welt einfach. Am Anfang der elektronischen Kommunikation landete alle Post in meinem Compuserve-Account. Aus heutiger Sicht war das Arbeit mit dem Faustkeil, aber das Prinzip dieses Werkzeugs beherrscht nach wie vor die Amtsstuben dieser Welt. Asynchrone Kommunikation im Push-Mode. Probleme wird man los, indem man sie in die nächste Mailbox schiebt. Blechbriefkasten vor der Tür ersetzt durch elektronischen Briefkasten. Sequentielle Abarbeitung. Inbox leer. Tagwerk getan.

Schon kurze Zeit später bröckelte die elektronische Monokultur. AOL Instant Messanger und ICQ brachten Real Time Chat in mein Leben. Ab sofort also mehrere Kanäle synchron, ein Kanal – e-Mail – weiterhin asynchron. Auch das ließ sich noch ordentlich verwalten.

Heute, 20 Jahre und viele Werkzeuge später, sieht der aktuell gültige morgendliche Info-Check so aus:

1. Facebook
2. WhatsApp
3. Mail
4. Twitter
5. Und ja, zum Leidwesen der Jugend, jetzt auch Snapchat

Dazu kommen dann diverse Kundennetzwerke:
– 1 * Yammer
– 1 * Sharepoint
– 3 * IBM Connections
– 1 * Alfresco

Wenn nötig garnieren wir das noch mit iMessage/SMS. Im Hintergrund werkeln Google Talk und, wenn ich es zulasse, auch mal Skype.

Und nun auch noch Slack. Wer heute nicht in persistenten Chat-Räumen seinen Geschäften nachgeht, ist sowas von 2015. Slack war die letzten 12 Monate der Heilsbringer, der e-Mail-Killer. Derzeit dreht allerdings ein wenig der Wind:

„The narrative has slowly switched from ‘How Slack killed email’ to ‘How Slack killed my productivity’.“

Slack-Nutzer, die vorher ob so viel transparenter Kommunikation und offener Zusammenarbeit statt e-Mail-Lawinen geschwärmt haben, beichten nun, dass ihr Arbeitstag mit Slack in ein einziges nicht enden wollendes „Franken-Meeting“ gewandelt zu sein scheint.

Wer kontrolliert wen?

These: Nicht ich kontrolliere meine Kommunikationsströme – die Kommunikation kontrolliert jetzt mich. Das liegt natürlich nicht am Werkzeug. Es liegt an mir und den vermeintlichen Erwartungen der Kollaborateure. e-Mail wurde auch als Terror empfunden, Mobilität sowieso, wenn der Chef dann um 23:00 noch ein Mail sendete, entstand Druck. Der zu erwartende Beißreflex: Mail-Server ab 18:00 herunterfahren. War meines Wissens nicht sonderlich erfolgreich bei VW. Wie vieles andere auch. Liegt ja auch nicht am Werkzeug, es liegt am Menschen. Jederzeit immer und überall kommunizieren zu können, erzeugt Druck. Von innen (inneres Belohnungssystem) und von außen (Mitarbeiter ist erreichbar, Führungskraft erwartet Erreichbarkeit).

e-Mail war dagegen einfach: e-Mail ist linear. e-Mail ist Push-Mode. Chef schickt e-Mail. Mitarbeiter arbeitet Inbox ab. Mit „Antwort an alle“ werden alle Kollegen in die Arbeitsbeschaffung mit einbezogen. Mit Anhang. Danach wegsortieren in irgendeine private Sortier-Logik, die niemanden interessiert, weil den Kontext der Ordner sowieso nur der Eigentümer der Mailbox versteht. Wenn der Mitarbeiter ausscheidet, wird die Mailbox gelöscht. Daten, Information, Kontext, vielleicht auch Wissen – weg.

Rettungsanker Social

Heilsbringer sollten die Social Tools sein. Arbeiten in Communities, offen, partizipativ. Kontext für alle sichtbar. Pull statt Push. Mitarbeiter folgen ihrem Chef. Oder den Kollegen. Sie folgen Inhalten, Communities, Blogs, Wikis. Sie kommentieren im Kontext. Mit „Empfehlungen“ weisen sie Kollegen auf wichtige Inhalte hin. Der „glückliche Zufall“ namens Serendipity läßt sie auf spannende neue Zusammenhänge stoßen. Alle können sich beteiligen und wichtige Beiträge leisten, wo sie vorher nur in ihrer Mailbox das serviert bekommen haben, was sie taylorisiert bearbeiten sollten.

So weit das Ideal.

Nun gibt es jede Menge Menschen, die viele Kanäle bedienen können, privat und im beruflichen Kontext. In der Filterblase twittern, facebooken, snapchatten, instagrammen wir parallel zur Nutzung von Slack, Confluence, Yammer und IBM Connections.

Kanal voll

Die wenigsten Nutzer in Unternehmen kommen aber mit diesem Prinzip zurecht. Die Welt war einfach bevor alles social wurde. FOMO, die Angst etwas zu verpassen, grassiert. In internen sozialen Netzwerken entwicklen nun Mitarbeiter Mechanismen, um den Push-Mode von e-Mail zu erhalten, damit die eigene Botschaft nicht untergeht. Damit niemand sagen kann, ich als Mitarbeiter hätte nicht deutlich mein Anliegen adressiert. Das führt zu wahren Lawinen von @-Erwähnungen – damit man ganz sicher ist, dass die gesamte Abteilung ihren Einsatz nicht verpaßt. Die Reinkarnation von e-Mail im Gewand der sozialen Medien. Mißtrauen, dass der andere den richtigen Vorgängen folgt und sich selber seine Informationen für die Verfolgung seiner Aufgabe zieht, beherrscht das soziale Medium. Begleitet von der Angst, die zeitnahe taktgenaue Lieferung auch ja dokumentieren zu können in der taylorisierten Bürowelt. Hochbezahlte Wissensarbeiter mutieren im Büroalltag so zu Verwaltungsfachangestellten. Vorgang bearbeitet. Stempel drunter. Umlaufmappe weiterreichen.

In dieser Welt hat eine Vielfalt von Kanälen keinen Platz. Die Grundweisheit: Das Tool ändert noch lange nicht die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten. Es ist nicht das Werkzeug, es ist die Kultur der Zusammenarbeit, stupid. Wer offline nicht „anders arbeitet“, wird das online auch nicht tun.

The one long franken-meeting

Selbst in den hippen Startups, in denen e-Mail ein Nischendasein fristet und die Nutzung von Slack auf Offenheit, Transparenz und Hierarchiefreiheit basiert, fordert das „one long franken-meeting“ die Mitarbeiter ordentlich heraus.

“while [social] has replaced the tyranny of email for many, it has unleashed a chaotic tyranny of its own.”

Im Aktivitätenstrom rauschen Postings, Antworten, Empfehlungen vorbei. Ständig könnte man etwas kommentieren, würde gerne belangloses Zeug vom Kollegen ausblenden, traut sich aber nicht, weil es könnte ja auch was wichtiges dabei sein. Eine neue Form von Stress, viel kleinteiliger und enger getaktet als bei e-Mail hat Einzug gehalten in die vormals prozessural so schön durchstrukturierte Arbeitswelt.

Mitarbeiter und Arbeitsgruppen suchen sich dann wieder ihre ruhigen Ecken – auch das ein Phänomen, das Mossberg in seine Slack-Beobachtungen teilt:

“because of the sea of talk and the fact that everything in a standard channel is open to all, more and more people are resorting to private, closed discussions, even while using Slack. The company says that, in its early days, about 70 percent of its usage was in public channels. Now, 70 percent is in direct-messaging sessions or private channels.”

Auch die Forderung nach „Threading“ in Slack zeigt den Wunsch nach Ordnung. Und egal, ob Facebook oder Slack, der tradtionelle Wissensarbeiter hätte gerne eine funktionierende Suche. Ja, rufen dann die Verkünder der #sofortness, uns interessiert nur noch das “hier und jetzt” und Dinge, die jetzt publiziert sind, interessieren in kürzester Zeit eh keinen mehr. Inhalte sind nur noch kurzlebig, so der Ansatz, nach drei Tagen interessiert ein Post nicht mehr, warum ihn also wiederfinden wollen?

Es ist ein kreuz. Die neuen Werkzeuge machen Sinn, sie sind nicht mehr wegzudenken. Man gewinnt Transparenz, man verliert Linearität. Man gewinnt Kontext, aber man verliert Fokus. Es hilft offensichtlich nichts: Der Filtermuskel im eigen Hirn muss trainiert werden auf mehr Durchlässigkeit, der Lohn ist Serendipität, der Preis ist FOMO.

Warum ich das alles schreibe? Meine Frau sagt gerne, wen sie mir ein Problem auftischt und ich sofort nach einer Lösung suche: “Ich will nur drüber reden, ich will keine Lösung”.

Genau. Ich wollte nur mal drüber reden.

Q´s Drone Band

Die taumelnde Gesellschaft

Werden die Verlierer der Automatisierung anfällig für Populisten, für den «autoritären Traum», wie Sie das genannt haben?
Die Verlierer und diejenigen, die sich fürchten vor Verlust. Die Anhänger der AfD sind ja keine armen Menschen. Das sind die Lehrer und Ingenieure, die ihre Pension haben und nichts abgeben wollen. Der autoritäre Traum denkt zudem in Kollektiven und historischen Schicksalen. Denken Sie an Putin, Erdogan, Hindu-Nationalisten in Indien oder Trump. Diese Leute sprechen von der jeweiligen einzigartigen Kultur, wo man vor 80 Jahren noch den Begriff der Rasse verwendet hat.

Der Autor und Historiker Philipp Blom im Schweizer Tagesanzeiger -> “Wir werden ärmer werden

Space Oddity

Abseits von Bergen und Klöstern

Im Dachgeschoss eines Mietshauses in Berlin Kreuzberg hatte Siegfried Lautenbacher vor einiger Zeit eine kleine Runde zusammengescharrt um Susan Gluth, Filmemacherin und Regisseurin von „Urmila“. Gemeinsam mit Harald Schirmer erfuhren wir einiges über das Filmemachen. Und das Anliegen von Susan.

Das gemeinsame Anliegen: Wie schaffen wir es, mehr Aufmerksamkeit für den Film zu bekommen. Und Aufmerksamkeit für das Schicksal der Sklavenmädchen in Nepal, einem Land, das bei vielen Romantikern nur Bilder von hohen Bergen und Klöstern hervorruft.

Christian Henne vom MUNICH DIGITAL INSTITUTE hilft bei der digitalen Kommunikation. Wir alle freuen uns über jeden Unterstützer, jede Unterstützerin.

“Wir nehmen auf Wunsch jeden Supporter auf die hier verlinkte Unterstützerseite, freuen uns aber einfach auch über jeden Share.”

Also, bitte mitmachen, teilen, Hastag #SupportUrmila.

One Year Later

Sometimes it snows in April

And some more stuff:

And this one with Bill Murray, Jimmy Fallon, Chris Rock, Emma Stone, Maya Rudolph, Jim Belushi, Cuba Gooding Jr. and Martin Short:

What a great artist. R.I.P. Prince.

Scare Intruders

SCARE INTRUDES

SCARE INTRUDES

Die Withings Home spricht jetzt mit unseren Hues. Nach dem ungebetenen Besuch haben wir das Heim etwas hochgerüstet mit zusätzlicher Technologie. Nicht über alles sollte man reden, aber manches ist schon nett. Insbesondere das crowdgesoucte Internet-Regelwerk IFTTT macht immer mehr Spaß, je mehr Rezepte verfügbar sind.

Auch Netgear Arlos sind heute gekommen. Auch die sprechen offenbar IFTTT. Es wird ein netter Karfreitag, an dem wir die Hausautomatisierung weiter treiben.

Totgesagte leben länger

Das CeBIT Bashing ist gerade groß in Mode. Der coole Nerd und wahre Kenner fährt natürlich zur SXSW. Aber ich kann nur sagen: Ich war noch nie in meiner mehr als 20 jährigen Hassliebe zur CeBIT so zufrieden heimgekehrt. Das lag vor allem an der toll organisierten und gut besuchten CeBIT Enterprise Digital Arena, an deren Teilnehmern und Sprechern und dem Austausch auf diversen Veranstaltungen. Extrem überrascht war ich auch über die Zahl der Teilnehmer. Ich kenne aktuell keine offiziellen Besucherzahlen. Aber gefühlt waren wesentlich mehr Fachbesucher in den Veranstaltungen als im letzten Jahr.

Drei Tage habe ich zwischen Halle 2 und Halle 4 verbracht und eine Menge mitgenommen von #IBMCebit, #DNUG, #CeBITeda, #SBCDACH und vielen Veranstaltungen mehr.

Noch eine erstaunliche Entwicklung: Facebook stirbt ja bekanntermaßen schon lange, weil es nur noch aus Werbung und Katzenvideos besteht und unser aller Gedächtnis kontrollieren will. Twitter stirbt eh, weil es irgendwann den Stream filtert und eigentlich auch schon auf die Seite der bösen Mächte wechselt. Im Rahmen der CeBIT habe ich das Gegenteil erlebt. Auf Konferenzen geht Twitter immer, die Geschwindigkeit des Austausches macht schnelle Reaktionen und Diskussionen noch während der Sessions spannend. Aber Facebook hat sich als sehr lebendige und hochwertige Plattform für den Austausch bei der CeBIT Enterprise Digital Arena erwiesen über das Ende der Veranstaltung hinaus. Lange, intensive Diskussionen, quasi die Fortsetzung der Dialoge auf den Bühnen ohne 140 Zeichen Begrenzung und breitem Publikum.

Besser als Harald kann man die Cebit Enterprise Digital Arena nicht zusammenfassen, hier der -> Link zu seinem digitalen Tagebuch.

Viele Projekte und Vorhaben sind in den 3 Tagen entstanden. Wenn nur ein paar von diesen Pflanzen austreiben, dann hat es sich noch mehr gelohnt.

Blue Monday

Ungebetene Gäste

Heute Abend hatten wir Besuch. Er war nicht eingeladen. Die Kamera zeichnet zwei Männer auf, die in aller Seelenruhe durch unser Haus marschieren. Sie haben auf der Terrasse die Tür ausgehebelt. Trotz Rollzapfen und Sicherheitsbeschlägen.

Um 19:52 sind die Herren eingestiegen, exakt zehn Minuten später sind sie wieder gegangen.

Das Kuriose: Die Gebrüder haben alles durchwühlt, aber sie haben die offensichtlichen Dinge nicht mitgenommen. Auf dem Schreibtisch steht das ganze Programm aus Cupertino, das iPad liegt offen auf dem Tisch, selbst Schmuck wurde nur rausgerissen, aber nicht mitgenommen.

Dafür hat sich nach 7 Minuten einer der Herren dafür interessiert, dass eine Leuchtdiode über der Eingangstür brennt. Er schließt völlig zu recht, dass dies ein Indikator der Alarmanlage ist. Er holt sich nicht sonderlich eilig einen Stuhl, stellt ihn unter den Auslass an dem die Diode brennt und wollte wohl die Schaltung ergründen. Ebenso schauten die Herren wohl in den Schaltschrank, haben aber anscheinend nicht gewußt, was zu tun ist.

Vielleicht haben sie aber auch nur erkannt, dass eine Alarmanlage da ist, und sind dann schnell verschwunden. Um 19:59 holt er sich den Stuhl, um 20:02 gehen sie. Zwei Minuten sind eigentlich recht lang. Vielleicht ist ihnen dann klar geworden, dass eine Schaltung besteht, und dass sie nun nur noch wenig Zeit haben. Warum nehmen sie dann aber die offensichtlichen Dinge nicht mit? iMac? Beamer? iPad? Und dann nichts wie weg?

Von der Kripo haben wir beim Hausbau zwei Dinge gelernt:

  • Entweder handelt es sich um absolute Profis, die das Haus lange beobachten und dann zuschlagen. Gegen die Jungs gibt es kaum Sicherheit.
  • Oder es sind Banden, die schnell rein und schnell wieder raus gehen. Bei denen geht es nur um Zeit bis zum Aufschlagen der Polizei oder des Sicherheitsdienstes – und die nehmen alles mit, und verschwinden wieder schnell. Bei den Sicherheitsvorkehrungen geht es nur darum, den Jungs es mit anständigen Fenstern und Türen schwer zu machen.
  • Wir haben seit geraumer Zeit eine Baustelle gegenüber. Das Haus gegenüber ist eingerüstet, man kann uns schon lange gut beobachten vom Gerüst. Es kann gut sein, dass man uns beobachtet hat, wie wir wegfahren. Aber für den außenstehenden dürfte auch unklar sein, wann wir wieder kommen, wann der Sohn vom Sport kommt, wann wir vom Einkaufen kommen.

    Was nun erstmal bleibt, ist das blöde Gefühl, dass jemand sich gewaltsam Zutritt verschafft hat und in unserem Privatleben herumgewühlt hat.

    Update:

  • Die Diode hat natürlich keinen interessiert. Den Stuhl hat der Gauner nur dahin geschleppt, damit er hört, wenn die Tür aufgeht
  • Die Frage nach unserer Stimmung: Alles ok, besser als gedacht. Sicherheit wird jetzt allerdings noch größer geschrieben im Klugen Haushalt. Da war ich früher unbedarfter. Das ist schade.
  • Und: Wir haben ein paar neue, bessere Kameras angeschafft
  • Teens React To Windows 95

    My Robot – über künstliche Intelligenz und freundliche Helferlein

    Ob einem die neueste Generation von Robotern aus dem Haus Boston Dynamics Sorgen machen muss? Ich finde das neue Atlas Modell gleichzeitig faszinierend wie bedrohlich. Es ist wohl keine Frage, dass künstliche Intellegenz und Roboter rasante Entwicklungsschritte machen – auch in “kreativen” Domänen, die bisher dem Menschen überlassen waren. Musiker haben zuerst die Macht der Algorithmen zu spüren bekommen, Journalisten sehen sich mit automatisierten Texterstellungs-Bots konfrontiert, und auch Anwälte bekommen plötzlich künstliche Intelligenz zu spüren. Die Luft im unteren Segment wird dünner, “below the API” betrifft immer mehr Menschen.

    Wer eine Idee davon bekommen will, was da auf uns zukommt bis zur Auslöschung durch eine Superkünstliche Intelligenz, der blättert in Kürze durch diese Präsentation “The World OS“. Und wer es gerne etwas intensiver hätte, der liest dieses lange Stück Text: “What´s Next in Computing“. Billige CPUs, kombiniert mit überall verfügbarer Bandbreite, unendlicher Rechenleistung in der Cloud ermöglichen sprachgesteuerte Systeme mit künstlicher Intelligenz, von denen wir heute nur träumen können.

    “The business plans of the next 10,000 startups are easy to forecast: Take X and add AI. This is a big deal, and now it’s here.” — Kevin Kelly

    Ich bin Optimist. Seit die Weber gegen die Maschinen aufgestanden sind, sind immer wieder neue Jobs entstanden. Meine Kinder werden Berufe ausüben, für die es heute noch nicht einmal Namen gibt. Aber wenn wir in diesem Land darauf genau so gut vorbereitet sind wie auf die Migrationsfrage, dann gute Nacht.

    Berlinale Invasion

    Michael Moore ist auch in Berlin einmarschiert. In seinem Film. Leider aber nicht zur Premiere. Eine Lungenentzündung hat ihn davon abgehalten.

    In “Where to invade next” erobert er Länder mit Errungenschaften, die Amerika wirklich helfen könnten. Bei dieser Invasion holt er für die Vereinigten Staaten nicht Erdöl heim, sondern Bildung (Finnland, Slowenien), Mutter-Kind-Kuren (Deutschland), straffreien Drogenkonsum (Portugal), Frauen in Führungspositionen (Island), Mitbestimmung von Arbeitnehmern (Deutschland), Mut zur Vergangenheitsbewältigung (Deutschland), würdigen Strafvollzug (Schweden), und einige Eroberungen mehr. Gewohnt überzeichnet, schwarz-weiß ohne Grautöne, oft witzig, selbstironisch, manchmal auch rührend. Moore zeigt aber auch uns in good old Europe, wie viel Errungenschaften hier auf dem Spiel stehen, die wir noch als selbstverständlich hinnehmen. Sehenswert.

    Weitere Kinoerlebnisse, die wir genossen haben: “Colonia Dignidad” (erschreckend beklemmend. Furchtbar, wie tief die Bundesrepublik verstrickt ist, und das bis heute nicht aufgeklärt ist).

    Persönlichestes Erlebnis: Einen Abend mit Filmemacherin Susan Gluth und lieben Freunden über “Urmila” diskutiert und Pläne geschmiedet, wie wir möglichst viele Menschen ins Kino locken. Also Leute: Hingehen!

    Kinoerlebnisse, die einen ratlos zurücklassen: “Fantastic”. Ich zitiere diese treffende Kritik: Es war bei diesen “prätentiös-debilen Kunstquark im Neo-Noir-Gewand für viele bereits nach wenigen Minuten die mentale Schmerzgrenze deutlich überschritten”.

    How to work better

    #HowtoWorkBetter

    Ein von Guggenheim Museum (@guggenheim) gepostetes Foto am

    Forty Eight

    number 4 number 8

    Humans need not apply

    Ich hatte zuletzt einige spannende Diskussionen zum Thema Arbeitsplatz der Zukunft. Zum einen bei der Frage, welche Jobs werden eigentlich unsere Kinder machen. Was bedeutet das für die Arbeitnehmer heute, angeregt durch die Frage, wie wird Dein Job in 5 Jahren aussehen.

    Das oben verlinkte Video ist schon etwas älter gemessen in digitalen Maßstäben, aber die 15 Minuten seien all denen empfohlen, die in der gestrigen Diskussion um meine Tesla Erfahrung meinten, sie würden ab jetzt einen weiten Bogen um mich machen, wenn ich auf der Strasse unterwegs bin. Der Wagen sieht mehr als ich, er reagiert schneller, er fährt weitaus zuverlässiger alleine als ich.

    Es ist nur noch eine Frage einer verhältnismäßig kurzen Zeit, wann die “Wissensarbeiter” damit konfrontiert werden, dass ein Computer einen Großteil der Tätigkeit übernimmt. Es betrifft nicht mehr nur den Taxifahrer oder den Kreditsachbearbeiter in naher Zukunft. Steuerberater, Rechtsanwälte und Ärzte wiegen sich noch in Sicherheit.

    Sicher. Ein Schach-Computer besiegt heute ohne Frage jeden Großmeister. Ein Großmeister mit einem Schachcomputer besiegt jeden Schachcomputer. Aber diese Kombination wird eine Elite retten, weil sie damit Top Leistungen bringen werden. Die breite Masse wird aber weder vorbereitet sein noch haben wir derzeit gesellschaftliche Vorkehrungen getroffen.

    “Humans will always loose. Technology always wins. We are not prepared”

    Papa, ich werde Drohnenpilot

    Sohn I wird demnächst Abitur machen und zählt die Wochen, bis es vorbei ist. Sohn II folgt in einem Jahr. Keiner von beiden kann die Frage beantworten, was er danach beruflich machen will. Der eine “will reich werden”, der andere “will das Leben genießen und was schönes machen”. Nun, ich wußte in dem Alter auch nicht, was ich werden wollte. Nur Mädchen wussten schon immer, dass sie Tierärztin werden wollten.

    Neu ist heute allerdings, dass zwei von drei Kindern Jobs machen werden, die es heute noch nicht einmal gibt. Vielleicht werden sie Drohnen-Pilot? Wer weiß. Kann man davon leben? Hängt davon ab. Das Schwierige an Prognosen ist ja bekanntermaßen, dass sie ungenau werden, sofern sie die Zukunft betreffen. Und da sich das Rad des technologischen Wandels immer schneller dreht, wird der berechenbare Horizont immer kürzer.

    Die Unsicherheit betrifft auch meine Generation. Wenn erst Watson die Anamnese wesentlich schneller und wesentlich korrekter macht, wenn der Call Center Computer nicht mehr zu unterscheiden ist von einem echten Menschen, wenn Kreditsachbearbeiter und Versicherungsmakler durch Algorithmen ersetzt sind, dann betrifft das eine sehr sehr große Anzahl von Arbeitnehmern. Guido Bosbach fragt zu recht: Schon mal darüber nachgedacht wie ihr Job in 5 Jahren so aussieht?

    Meine Kindern haben “lernen” nicht gelernt. Sie wurden an den Spitzen-Gymnasien vollgestopft mit Fachwissen, das übermorgen veraltet ist. Sicher haben sie da intuitiv “lernen” gelernt. Aber die Neugier, probieren, scheitern, neue Methoden kennenlernen, kontinuierlich an einer Sache dran bleiben und eigenständig lösen – diese Dinge werden sie vermutlich auch nicht an der Uni lernen. Die Uni wird sie weiter disziplinieren – aber wird das reichen für die kommenden Berufsbilder, für die Positionierung im “hochprofessionellen Quadranten” und nicht in der prekären Ecke? Dazwischen wird nicht mehr viel Platz sein. Vielleicht werden sie als Drohnenpilot ein ausreichendes Einkommen erzielen und ausreichend Erfüllung finden?

    Sie werden ihren Weg machen. Da bin ich sicher. Ob das für viele Arbeitnehmer meiner Generation gilt, wage ich dagegen zu bezweifeln.

    Helferlein

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    Vor einiger Zeit ist Robert bei uns eingezogen. Wir wussten noch nicht, ob er bleiben soll. Jetzt hat eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erhalten.

    Robert ist zuverlässig, geduldig, und recht ausdauernd. Er arbeitet, wenn man es ihm sagt. Und wenn er stört, macht er eine Pause. Robert holt Staub und Dreck aus Ecken, die der Plömp offenbar noch nie betreten hat.

    Er klettert über Stufen und schwellen, quetscht sich hartnäckig unter das Sofa und hört erst nach anderthalb Stunden auf, wenn ihm die Puste ausgeht.

    Mit Robert ist der Kluge Haushalt um ein Wundergerät reicher. Aber um ein Haar hätte er die Probezeit nicht überlebt. Denn für Robert mussten einige Dinge neu geordnet werden.

    Robert mag beispielsweise keinen Flokati. Er verbeißt sich in den Fasern und muss irgendwann befreit werden. Die Katzen lieben aber den Flokati. Die Katzen lieben aber auch Robert. Konflikt. Robert hat schließlich gewonnen.

    Es ist nicht so, dass man Robert nicht auch vom Flokati fernhalten könnte. Eine Abgrenzung mit Magnetband, einfach unter den Teppichrand gelegt, hilft eigentlich gut. Aber die Kluge Frau hat gleich das neuste Umgestaltungsprojekt in die Hand genommen und Flokati gegen Kelims getauscht. Deren Fransen wurden fachmännisch gekürzt, jetzt kann Robert auch mit dem Teppich.

    Robert hat diverse Möglichkeiten, sich zu orientieren. Ultraschall, Berührungssensor, Laser – alles dabei. Er sucht sich systematisch Abschnitte im Raum, reinigt eine quadratische Fläche nach der anderen, bis die Batterie alle ist. Zu viel „Stehrümmchen“ sollte man allerdings nicht im Raum haben. Er arbeitet sich zwar um alles herum und durch jedes Stuhlbein-Gewirr hindurch, aber das Manövrieren kostet Zeit und damit Batterie. Robert liebt eher glatte freie Flächen, dann schafft er auch viel ohne großes Herumnavigieren.

    Meist findet Robert nach getaner Arbeit zu seiner Ladestation. Manchmal muss man ihn nach Hause tragen. Auch da ist er noch nicht so perfekt. Ein perfektes Helferlein würde natürlich nicht nur seine Ladestation alleine anfahren und sich aufladen, es würde sogar den gesammelten Müll ausladen. So weit sind wir aber noch nicht.

    Ganz und gar nicht geht die Fernbedienung. Ein old school Infrarot-Gerät, dass meist nicht funktioniert. Sehr schade, dass bei Robert die Digitalisierung noch nicht so weit vorangeschritten ist. Kein WLAN, also keine andere Steuerungsmöglichkeit via App. Einen USB Port gibt es zwecks Firmware-Update, da könnte man doch sicher auch irgendwas auslesen für die Spielkinder unter uns. Staub- und Weganalysen zum Beispiel. Eine Kamera? Den Katzen beim Saugroboter-Jagen auf Augenhöhe von unterwegs zuschauen, das hätte schon was.

    Robert tut nun seinen Dienst. Und ziemlich sicher bekommt er im Frühjahr einen Kollegen – der tut dann Dienst auf dem Rasen.