Wenn der erste Porsche brennt…

Henryk M. Broder in der Weltwoche über die Krawalle in Frankreich und die dazugehörige Berichterstattung in den Medien:

Die Meldungen hörten sich so an, als habe Sarkozy den Ausbruch und das Ausmass der Gewalt zu verantworten, weil er nicht gleich nach der ersten Nacht die Randalierer zu sich nach Hause gebeten habe, um mit ihnen an einem runden Tisch über Wege aus der Krise zu diskutieren. Das Wort «Gesindel» habe die Jugendlichen dermassen empört, dass sie gar nicht anders konnten, als wieder auf die Strasse zu gehen.

Als Berliner liest man das besonders aufmerksam. Der sogenannte Klassenkampf, bei dem jedes Jahr die Berliner (Schul-)Klassenkämpfer am 1. Mai ihre eigene Wohngegend zerlegen, findet hier seit Jahren statt – wenn auch mit abnehmender Tendenz. Und auch heute noch werden die Diskussionen um den sozialpolitischen Hintergrund mit Vehemenz von den sogenannten Gutmenschen geführt, obwohl längst klar ist, dass dieses Ritual nicht mehr und nicht weniger ist als eine riesengroße Party, bei der man Katz und Maus mit der Polizei spielt und mal endlich wieder die Sau rauslassen kann. Dabei handelt es sich weder um «unterprivilegierte Modernisierungsverlierer» noch um die…

…«Angehörigen der bildungsfernen Schichten», wie man neuerdings jene umschreibt, die Marx noch in aller Klarheit «Lumpenproletariat» genannt hat.

Auf den Punkt gebracht in der weltwoche.