Ölgötzen

Bei meinen Kindern stehen zur Zeit Emil und seine Detektive hoch im Kurs. Die Sprache von Kästner ist herrlich, aber viele Wendungen verwendet man heute nicht mehr. Bisher gelang es mir im Verlauf der abendlichen Vorlesungen erfolgreich, für die kleinen Racker zufriedenstellende Antworten auf Fragen wie “Papa, was ist eine Kraftdroschke” zu finden. Bei der Beantwortung ähnlich aufgebauter Fragen bin ich ja in der Vergangenheit bekanntermaßen schon ins Straucheln geraten.

Heute war es wieder soweit und ich mußte ratlos aufgeben. “Nun glotzt nicht so wie die Ölgötzen” heißt es da im letzten Kapitel. Was bitte sind denn eigentlich “Ölgötzen”? Wikipedia weiß es nicht, Google wirft nur wilde Gerüchte um herumlungernde Jesusjünger auf dem Ölberg aus, und ein Bild kann man sich von den “Ölgötzen” bei der Google-Bildersuche auch nicht machen. Kann mich jemand aufklären?

7 Responses to “Ölgötzen”


  • Wie ein Ölgötze dasitzen.

    Sprichwörtl. Redensart; Sinn: steif sein; wohl nach Figurengruppe in einer sächsischen Kirche, Jesus und drei Jünger auf dem Ölberg, die man nah der Refomation Ölgötzen nannte

    Quelle

    Ich könnte jetzt auch noch mal im Brockhaus schauen. 😉

  • “Wohl” ist doch das entscheidende Wörtchen bei der Sache. Alternativ gab es auch noch ölgetränkte Holzstäbe und mit Öl bestrichene Apostelabbilder als Kerzenhalter. Das hat mich alles nicht so recht überzeugt.

    Und überhaupt: Sollte Sachsen so einen Einfluß auf unsere Sprachgewohnheiten haben?

  • Nun ja, Kästner schrieb das Buch, als Sachsen noch in der Mitte von Deutschland lag. Warum also nicht? Außerdem dürften die meisten Deutschen das Buch gelesen haben. Ich meine die meisten von denen, die Bücher lesen.

  • “ÖLGÖTZE, m. ein mit öl gesalbtes oder mit ölfarben angestrichenes götzenbild. vor dem 16. jahrh. nicht nachweisbar und in der reformationszeit als spottwort gegen die holzbilder der katholiken (ZWINGLI 2, 52), auch gegen die anbeter derselben, sowie gegen die mit dem heiligen öl geweihten katholischen priester gebraucht. vgl. myth.4 12 anm. und nachtr. 9.”

    ein bisschen spät, aber das grimm’sche wörterbuch (quelle) ist ja noch nicht so lange im netz;)

  • das mit Sachsen kann gut sein. In Sachsen lag zu Beginn der Frühen Neuzeit mit eines der wichtigsten Zentren für die Herausbildung der deutschen Standardsprache (Luther und Co!).

  • Michael Schemmerling

    Im Sprachgebrauch der Einzigen, Gelobten Sprache des Geldkultivierten Imperiums: Nique les Yenguis !

  • Komisch, ich war mir sicher, daß mit “Ölgötzen” alte chinesische Götzenfiguren bezeichnet wurden. Als Kind hatte ich irgendwann mal so Karten zum Sammeln, da waren die abgebildet. Es ging um irgendwelche Flußpiraten am Yangtse Kiang. Die Götzen waren etwa einen Meter hoch und standen statisch wie Vasen an der Wand, eine neben der anderen. Wollte jetzt nur mal googeln, was sie denn eigentlich mit Öl zu tun haben und bin enttäuscht, daß die Deutschen nun die Ölgötzen für sich beanspruchen… Noch dazu im christlichen Kontext. So ‘ne Pleite.

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