Ein Gedicht von einer Bank

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken –
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja –
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen –
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Ein bittersüßes Bankengedicht. Und nun alle mal raten, wer wann das Gedicht geschrieben hat.

(Danke, Lorenz)

Update: Der Lorenz ist diesem Hoax aufgesessen, und der Herr Kluge hats einfach auch mal kopiert, ohne darüber nachzudenken, dass es Derivate in diesem Zusammenhang damals wohl nicht gegeben hat. Danke für Aufklärung, Herr Mattes, und hiermit meine Distanzierung von der Zielgruppe “linke Globalierungs- und Kapitalismuskritiker”.




4 Responses to “Ein Gedicht von einer Bank”


  • Der alte Kurt war’s vor langer Zeit

  • Nein, der Kurt war es nicht. Das ist nur ein Gerücht, hier der wahre Hintergrund: http://diepresse.com/home/wirtschaft/finanzkrise/426781/index.do

    Hier die Info über den Urgeber aus dem bericht: “Es stammt vielmehr aus dem September 2008 und aus der Feder des Österreichers Richard Kerschhofer.Kerschhofer hatte das Gedicht Ende September in dem konservativen Wochenmagazin „Preußische Allgemeine Zeitung“ sowie auf der Homepage der FPÖ-nahen „Genius-Gesellschaft“publiziert.”

    Spannend ist auch, wer laut dem Bericht dieses Gedicht vorzugsweise auf seiner Webseite hat: “Vor allem auf Internetseiten linksgerichteter Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker taucht das Gedicht häufig auf.”

    Ob Alexander Kluge das wusste als er es auf seine Seite nahm?

  • Hallo Herr Matthes, danke für die Aufklärung! Simples Googlen hätte geholfen. Da haben die Preussen etwas schnell geschossen. Viele Grüße!

  • Ich schäme mich zusammen mit Alex

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