Tricksen, Täuschen – und dann schlecht verlieren

Das Thema Pro Reli / Pro Ethik ist seit letzten Sonntag für mich abgehakt. Ich hatte eine ambivalente Haltung, habe mich aber nicht zuletzt wegen der schon fast an Demagogie grenzenden Argumentation der Pro Reli Fraktion (“Wer nicht für uns ist, ist gegen die Freiheit”) für das bestehende Modell und damit für einen weiterhin verpflichtenden gemeinsamen Ethik-Unterricht entschieden.

Diese Entscheidung führte dann im Klugen Haushalt zu einem wilden Zerwürfnis mit meinem 11 Jahre alten Sohn, der wegen meiner Entscheidung nie wieder ein Wort mit mir reden wollte. Meine kurze Bemerkung dazu auf Twitter in der letzten Woche hat heute die Pro Reli Initiative, die bezeichnenderweise auch auf Twitter unter dem irreführenden Namen FreieWahl vertreten ist, aufgegriffen und verlinkt dabei auf meinen Tweet:

Stadt gespalten, Familien zerstritten – der tiefrote Senat sollte sich was schämen! http://tinyurl.com/df83wg #proreli #berlin #schweigen

Warum der tiefrote Senat sich was schämen sollte, ist mir unklar. Schließlich hat die Initiative etwas verändern wollen, nicht der Senat. Vorher herrschte Frieden bei uns, nun gab es einen kleinen Zoff, und die Wogen sind schon längst geglättet. Wenn man in bester Bild-Manier solche Zitate verwendet, diese lauthals (und nicht #schweigend) in die Welt posaunt, dann zeigt das nur, welch schlechter Verlierer man ist.

Ich bin im übrigen der Meinung, dass Pro Reli ein deutlich besseres Ergebnis erzielt hätte, wäre man mit dem Thema in dezenter Weise und nicht in Revolverblatt-Manier umgegangen, hätte nicht dieses Thema als Kampffeld gegen den in der Pro Reli Welt verhaßten rot-roten Senat genutzt, sondern hätte sich schlicht auf den Diskurs rund um das eigentliche Thema konzentriert – ohne irreführendes Freiheits-Gedusel. Die gleichgeschaltete Springer-Presse war hier vermutlich eher kontraproduktiv.

Um nochmal kurz auf den Disput im Klugen Hause zurückzukommen. Freiheit ist immer auch die Freiheit des Andersdenkenden. Nicht miteinander reden, nur weil man anderer Meinung ist, geht gar nicht. Und siehe da: Nach kurzer Diskussion waren die zentralen Argumente meines Sohns herausgearbeitet:

  • Ich mach doch nicht Religion freiweillig in der 7. und 8. Stunde!
  • Jetzt muß ich extra zum Konfirmandenunterricht gehen, wenn ich konfirmiert werden will!
  • Ich bin für die Freiheit. Und ich will auch Deutsch abwählen und lieber Mathe machen.
  • So sieht das also aus.


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