Theaterleiden

Wie oft habe ich mich genau darüber aufgeregt? Zu oft. Jens Jessen in der Zeit:

(…) Das ist das Problem des modernen Regietheaters. Irgendwann ist alles auf dem Sperrmüll gelandet, und vom Ausmisten bleibt nur eine leere Geste. Dann bleibt nur Wüten, Brüllen, Schreien; unter anderem darüber, dass man nichts mehr zu tun hat. Alle Traditionen wurden in den letzten Jahrzehnten schon mit kalkulierten Tabubrüchen, mit Blut, Urin und Sperma, weggeätzt; inzwischen sind es jene Putzmittel, die auf der Bühne verstauben. Die größere Provokation besteht heute womöglich darin, wieder still und andächtig den Vorgaben der Theaterautoren zu folgen (…)

Schreien, Brüllen, Exkremente. Hatten wir alles schon mal. War damals sicher wichtig zur Entrümpelung. Heute ist es unerträglich. Und leider der Grund, warum ich einige Bühnen trotz meiner großen Liebe zum Theater mittlerweile meide.


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