Monthly Archive for July, 2013

Zurück aus der Schweiz

In Montreux haben wir getanzt. Zur Erholung sind wir hinterher über Berge geklettert und haben uns einige Etappen der Via Alpina gegönnt. Start: Lauterbrunnen-Tal. Eiger, Mönch und Jungfrau im Blick. Vorbei an Blofelds Hauptquartier ins idyllische Kiental. Ohne zu Schwimmen, wie es Google vorschlug, sondern quer rüber über die Selfinenfurgge. Weiter über Adelboden, Kandersteg, Gstaad und Etivaz wieder zurück bis Montreux. Nicht immer zu Fuß, oft mit Postbus und Bahn. Das hat uns die Schweiz sehr leicht gemacht. Unsortierte Erkenntnisse:
  • Die Werbevideo der Schweizer Tourismus-Agentur lügt nicht. Heidi-Land, blitzsauber, pünktlich, lecker, wunderbar. Leider teuer.
  • In der Schweiz funktioniert der öffentliche Nahverkehr wie ein Uhrwerk. Verbindungen mit 3 bis 5 mal Umsteigen gehen in Deutschland mit Sicherheit schief. In der Schweiz nie.
  • Ausgesprochen gastfreundliche Deutsch-Schweizer, anfangs eher reservierte Französisch-Schweizer weiter westlich. Überall gut gegessen und getrunken.
  • Mit Berggewitter sollte man nicht spaßen, wenn man selbst die höchste Erhebung im Umkreis von 1000 Metern ist. Handys braucht man aber nicht auszuschalten
  • Statt Süssigkeiten zieht der gemeine Schweizer Käse aus dem Automaten.
  • Nestle mit Sitz in Vevey hat rund um den Genfer See mit Erfolg die Kaffee-Kultur zerstört. Statt aus der Siebträger-Maschine kommt in vielen Hotels der Cappuccino aus der Nescafé Maschine. Widerlich, wo doch sonst kulinarisch viel geboten wird in dieser Gegend.
  • Tripadvisor ist des Spontan-Reisenden bester Freund. Immer die richtigen Hotels und die richtigen Restaurants gewählt.
  • Google Maps schlägt Apple Karten um Längen. Schon in Rom kannte Google Maps alle Wege zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln - inklusive korrekter Abfahrtzeiten. Das hat sich in der Schweiz nochmal mehr bewährt. Wanderwege können beide nicht. Dafür gibt es die Schweiz Mobil App:
  • Wandern mit Google Wir sind jetzt Schweiz-Fans. Am Wechselkurs könnte man vielleicht nochmal arbeiten, dann würde es noch mehr Spaß machen, die Franken auf den Kopf zu hauen.

    Montreux

    Parov Stelar @ Montreux Nach Montreux zum Jazzfest. Das klang wie die Reise nach Mekka. Einmal im Leben muss man das tun. Und vielleicht tut man das immer wieder. So dachte ich seit den Studienjahren. In meiner Plattensammlung gab es von jedem namhaften Künstler irgendein Werk das untertitelt war mit "live at Montreux". Da musste also irgendwas besonderes passieren. Jetzt sind wir hier. Eingebettet zwischen den Alpen, am Ufer des Genfer Sees, die Weinberge rechts und links, liegt - ein großer Rummelplatz. Die See-Promenade zugestellt mit hunderten von Kirmesbuden, die üblichen Nippesverkäufer neben Wahrsagern, Karrikaturisten, die mit Luis de Funes Bildchen für ihre Künste werben, Fress- und Saufstände sowie die üblichen fahrenden Geschäfte verstellen vollständig den Blick auf den See. Musikalisch wird man am Ufer von panflötenden Peruanern begleitet, die ihr Repertoire geschäftstüchtig auf italienische Lieder umgestellt haben und nun gewinnbringend in Kleingruppen aufgeteilt die ganze Promenade entlang darbieten. Ganz ungerecht soll jetzt aber doch nicht über Montreux hergezogen werden. Da wir spät gebucht hatten, mussten wir in Lausanne schlafen. Das war offenbar ein großes Glück. Lausanne ist eine wunderschöne Stadt, in der sich Jugendstil und Bauhaus zu einem wunderbaren Ganzen fügen. Von hier aus fährt man abends 19 Minuten mit der Bahn, die hier immer pünktlich ist - wir sind schließlich in der Schweiz - nach Montreux, erträgt dort den Trubel und genießt im gut organisierten und gekühlten Konzertsaal Musiker, die allesamt stolz sind, in Montreux vor diesem Publikum spielen zu dürfen. Schon schön. Mit Jazz hat das nur am Rande zu tun, denn Joe Cocker trifft hier im Programm auf Prince oder Deep Purple. Überraschungen erlebt man aber auch, wenn beispielsweise völlig geschmacklos gekleidete Schnauzbartträger wie Deluxe Aus Aix den Saal rocken. Der Jazz spielt sich allerdings irgendwo in den Jam Sessions dazwischen ab oder in kleinen Kneipen, die wir noch nicht gefunden haben. Hier müssen wir noch lernen. Aber immerhin: Diesmal sind wir für ein paar Tage dabei. Und dürfen heute noch Quincy Jones 80. Geburtstag feiern. Update: Nach zwei Tagen und Nächten mit Parov Stelar oder Marcus Miller, netten Gesprächen und einem genialen Abschluss mit Quincy Jones und unendlich vielen Nachwuchstalenten auf der Bühne wissen wir: Wir kommen wieder. Die eine oder andere Jam Session im Club haben wir verpasst, aber jetzt wissen wir ja, wo der Bär nach den Konzerten steppt. Und in Montreux haben wir auch noch viele sympathische Ecken gefunden, in denen man abseits vom 80er-Jahre-Schick schön wohnen kann.

    Fort

    DSC_0129 Vater und Sohn II auf den Spuren der Römer. Sohn II will eigentlich gleich hier bleiben. Offenbar auch ein Genießer, der junger Herr.