…denn es war die Jugend, die den WLAN Empfang in diesem Hause stört.
Eher beiläufig auf Umwegen erfuhren wir am vorletzten Abend vom traurigen Ereignis. Im Elisabeth von Eicken gehen die Lichter aus. Spontaner Anruf in Ahrenshoop: Am letzten Abend wäre für uns noch ein Tisch frei. Frau Bäumel kocht zum letzten Mal. Die Gedanken fliegen in die Vergangenheit rund um diesen Ort.
Es gab keinen Aufenthalt auf dem Darss ohne Besuch im schönsten Restaurant weit und breit. Die Barenbrocks haben dieses Kleinod an dem Ort ins Leben gerufen, zu dem es uns immer schon gezogen hat. Das Ambiente wunderbar, die Küche erstklassig. Dort haben wir mit Herrn Henzlers gelernt, wie der Darss schmeckt. Dort hörten wir zum ersten Mal mit Lutz Gerlach gehört, wie der Darss klingt. Dort haben wir mit der lieben Eva Spagna und E la luna Sylvester gefeiert.
Und dann war da noch das vergangene Jahr mitten im Juni. Das Haus hat unsere Freunde und unsere Familien beherbergt. Frau Bäumel hat uns bekocht. Wir haben am Strand gefeiert und im Haus getanzt. Ein unvergesslicher Tag.
Die Lichter gehen nicht wirklich aus. Das Seezeichen übernimmt. Die Mannschaft aber geht von Bord. So bleibt wohl nur eine weiterhin wunderbare Hülle. Wir aber hoffen, dass Frau Bäumel auf der Halbinsel bleibt. Sonst bleibt kulinarisch nur noch das wunderbare Schimmel´s in Wustrow. Und das wäre verdammt schade.
Am Ende des Tages sind wir leider nicht gefahren. Zu spät wäre es geworden. Kein Quartier war zu bekommen. Der Abschiedsgruss ist daher heute digital – mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen.
Auch ich neige dazu, zu schnell die Stereotypen in meinem Kopf zu bemühen. Zu schnell packt man einen Menschen in eine Schublade, insbesondere wenn der Andere für Ärger sorgt und die Grenze zu meinem Vorgarten überschreitet. Man kramt in seiner Lebenserfahrung, man vergleicht intuitiv die gespeicherten Bildern von Personen, gleicht die Verhaltensweisen ab, und zack – hat man ein schlüssiges Feindbild.
Nicht selten finden sich dann Gleichgesinnte, die ebenso die Erfahrung mit diesem Menschen machen mussten und die damit die Wirkung noch verstärken. Insbesondere durch die Verbreitung im Netz.
Einer dieser Menschen stand heute vor der Tür. Und er entsprach nicht im geringsten meinen Erwartungen. Alles, was ich vorher von ihm wußte und was er mir bis dahin zuteil hatte werden lassen, passte überhaupt nicht zu dem Menschen, der vor mir saß und mir seine Lebensgeschichte erzählte. Ich hatte ihn offenbar an empfindlicher Stelle getroffen, und nun stand er mir gegenüber und bedankte sich bei mir. Für den Spiegel, der ihm vorgehalten wurde. Für den Anstoss zur Änderung. Kein Versuch, sein Verhalten zu rechtfertigen. Sondern die Bitte, ihn auch mit anderen Augen zu betrachten.
Die Welt ist nicht nur schwarz oder weiß. Dazwischen liegen jede Menge Grautöne. Und darüber fliegen die bunten Vögel. Die Erkenntnis ist nicht neu. Aber sie traf mich heute mal wieder sehr direkt.
Die Atombombe, natürlich. Wer sich die Atombombe leisten kann, dem muss nicht geholfen werden, der kann sich selbst helfen. Und überhaupt, die Taliban. Da triffts ja wenigstens ein paar Richtige unter den zwanzig Millionen Opfern. Und der Rest duldet sie ja schließlich die Taliban, Sympathisanten sind das. Wer weiß, wohin das Spendengeld dann sickert! Sowas kann man guten Gewissens nicht unterstützen.
Doch, das kann und soll man unterstützen.
Wochenlang gab es keinen Anschluss unter dieser Nummer. Gestern – wir konnten es nicht glauben – stand genau im angekündigten Zeitfenster der Herr der Telekom vor der Tür. Ein sportlicher junger Mann, im Telekom-T-Shirt, selbstbewußt. Wieso die vorherigen Termine nicht geklappt haben, wisse er auch nicht, schließlich sei unser Haus ja leicht zu finden, ja, dann machen wir uns mal an die Arbeit.
Zwei Handgriffe und fünf Minuten später hatten wir DSL und Telefon. Wo lag das Problem? “Sie sind doch bei einem Fremdanbieter. Wären Sie Telekom-Kunde, hätten wir das schon gleich durchmessen können.” Aha. Und wo lag das Problem technisch? “Ihre Leitung kommt auf Stift 1 an” Warum haben die Telekom-Jungs, die das installiert haben, nicht gleich den korrekten Stift gewählt? “Der Bautrupp setzt die Leitung immer erst auf Stift 3. Ich hab die jetzt auf Stift 1 gesetzt. Wären Sie Telekom-Kunde, hätten wir das schon von Ferne lösen können”.
Oha, so sieht das also aus. Der dynamische Techniker fragte gleich noch, ob das “Winback-Team” Team mich nicht kontaktiert habe, man wolle ja Kunden wieder zur Telekom holen. Ja, antwortete ich korrekt, aber da ich wenn überhaupt Firmenkunde geworden wäre, musste die junge Frau mit ihren verlockenden Angeboten den Firmenkundenvertrieb der Telekom einschalten – und der ist bekanntermaßen wenig hilfreich.
Nachdem nun einigermaßen klar ist, warum die Dinge so laufen wie sie eben laufen, kann man eigentlich nicht guten Gewissens dieses Monopolgebahren unterstützen. Alice, unser Provider, war dagegen ständig hinter der Sache her. Neben dem sehr guten Gefühl, dass zumindest sich jemand des Problem annimmt, gab es auch noch eine anständige finanzielle Entschädigung, die eigentlich der Netzbetreiber, der eben gleichzeitig auch Konkurrent ist zahlen müßte.
Sehr anständig, liebe Alice, und genau deshalb bleiben wir auch bei Euch. Sehr unanständig, liebe Telekom, wie ihr unliebsame Konkurrenten aus dem Rennen werfen wollt.
Heutiger Link zu ähnlichem Thema: wie die Telekom einem alten Herren den Anschluss kappt -> http://service-blogger.de/?p=150
Die gröbsten Blessuren sind verheilt, die Handwerker werden herausgewohnt. Kleine Arbeiten müssen innen noch erledigt werden, ein paar größere Arbeiten fehlen noch außen an Garten und Zaun. Es könnte alles so schön sein im neuen Haus – wenn wir einen funktionierenden Telefonanschluss hätten.
Während der Umgang mit allen Versorgern, sei es Strom, Wasser oder Gas problemlos und weitgehend pünktlich ablief, geht mit der Versorgung mit Telefon und DSL nichts voran.
Dabei hatten wir schon anderthalb Monate vor dem geplanten Einzugstermin den Umzugsantrag bei Alice gestellt, alles war bestätigt worden – und pünktlich wurde auch das Telefon abgestellt. Und nirgendwohin hingestellt.
Es folgt eine Odyssee von nicht auffindbaren Übergabepunkten, Verlegung neuer Kabel, ständig verstreichende Anschlußtermine – und bis heute geht: nichts.
Seit vier Wochen vollzieht sich nun ein seltsames Ritual: Immer Freitags wird ein Techniker-Termin angekündigt, über den weder Alice noch das vom Netzbetreiber Deutsche Telekom AG beauftragte Unternehmen aktiv informiert, sondern man dies nur durch aktives Nachfragen erfährt.
Bekanntlich war Freitags in den letzten Wochen Fußball-WM, es taucht also einfach kein Telekom-Techniker auf. Der Anruf bei Alice ergibt dann wahlweise als vom Telekom-Techniker in das Auftrags-System eingetragenen Grund “Kunde nicht angetroffen” oder auch immer wieder gerne genommen: “Sonstiges”. Alice hat offenbar keine Möglichkeit, direkt die Telekom zu kontaktieren und muss schlucken, dass der genervte Kunde das tut, was die Telekom offenbar gerne hätte: Zur Telekom mit DSL und Festnetz wechseln, dann geht es sicher schneller. Gerüchteweise werden immer zuerst die Telekom-Kunden abgearbeitet – bei der Affenhitze bleibt am Ende des Tages dann kaum Zeit für die Kunden anderer Anbieter. Also immer noch kein Telefon, Internet nur über die UMTS Karte.
Zu allem Überfluss regelt die Telekom dann wegen des erhöhten Datenvolumens, dass ich jetzt über UMTS Karte produzieren, die Geschwindigkeit künstlich runter. Und hofft wohl auch damit auf eine Steigerung des Umsatzes. Bei all dem ruhig zu bleiben, fällt schwer.
Mittlerweile rufen wir vorsorglich an jedem Tag der angeblichen Aufschaltung zweimal an – morgens steht dann der Termin erfahrungsgemäß noch und man bleibt hoffend zu Hause, um ja dem Telekom-Menschen keinen Grund zu geben, unverrichteter Dinge zu gehen. Nachmittags erfährt man dann, auf welchen Tag der Termin nun wieder geschoben wurde. Natürlich nur, wenn aktiv nachfragt.
Heute wurde mal wieder nach dem zweiten Anruf verschoben. Auf Freitag. Kein gutes Omen – auch ohne Fußball.
Interessante Erfahrung nebenbei: Auch Alice twittert und nahm nach meinen frustrierten Äußerungen sofort Kontakt auf. Allein, genutzt hat es auch nichts. Man fühlt sich ernst genommen. Aber es ändert nichts.
Blöd aber, dass auch bei Alice immer wieder Call Center Mitarbeiter sitzen, die einen nicht ernst nehmen, bis sie zum ersten Mal die grausame Kundenhistorie aufmerksam studieren. Und furchtbar auch, dass auch Alice offenbar schon in festgefahrenen Prozessen erstickt, der eine Änderung des Namens der werten Anschlussinhaberin nicht möglich macht, da ja gerade ein Auftrag läuft – der läuft aber mittlerweile seit 10 Wochen und der wird wohl noch Wochen laufen, wenn es so weiter geht.
(geschrieben in einem Zug der Deutschen Bahn AG, die durch kundenorientierte Kommunikation ebenso glänzt wie durch den diskriminierungsfreien Zugang zu ihrem Netz – ganz ähnlich dem oben beschriebenen Magenta-Riesen. Mittlerweile 86 Minuten Verspätung, immerhin keine 10 Wochen. Und die Klima-Anlage funktioniert)
Sehr, sehr cooler Radio Sender. Gleich als Favorit im Sonos abgespeichert. Erinnert mich an die guten alten Zeiten im Hamburger Mojo Club.
Dort, wo wir sonst im Sommer planschen, herrscht der Winter. Die Strecken, die wir im Sommer segeln, sind wir heute gelaufen bei herrlichem Winterwetter. Einmal Hafen – Strandbad Wannsee und zurück.
So macht Winter Spaß. Erst wenn der Matsch kommt, dann hört der Spaß auf.
Die Wirtschaftswoche zeigt, dass zahlungsunfähige Länder kein neues Phänomen sind.
Zwischen den Jahren 1500 und 1800 legte Frankreich stolze acht Staatsbankrotte hin. Wenn die französischen Könige ihre Auslandsschulden nicht mehr begleichen konnten, neigten sie im Übrigen dazu, inländische Kreditgeber einfach zu exekutieren. Reinhart und Rogoff nennen das ironisch eine “frühe Form der Umschuldung”.
Die spannendsten Fälle gibt es -> hier.
Heute viel Futter für die grauen Zellen zum Thema stochastische Risikomodelle. Probability Density Function (Ja, ist auch ein PDF!), Cumulativ Density Function, Boxplots, Variance, Skewness und ein Fat Tail.
Da sag noch einer, Statistik hilft nicht im wahren Leben.
Es ist schon immer ein armes, geschundenes Land gewesen. Spätestens seit dem Beben sollte dies jedem nochmal ins Gedächtnis gerufen worden sein. Welches Ausmaß das Unglück hat, sieht man auch auf den überraschend aktuellen Bildern auf Google Maps, die zwar noch mit “2009″ als Datum vesehen sind, aber offenbar erst nach dem Beben aktualisiert wurden.
Ein Freund von uns ist immer wieder dorthin in den letzten Jahren geflogen, hat dort als Aufbauhelfer ehrenamtlich den Menschen geholfen. Als wir gestern via Skype chatteten, konnte er wenigstens vermelden, dass die Schule, die sie mit eigenen Händen gebaut hatten, noch steht – und damit eine Ausnahme ist.
Ja, es gibt viele fragwürdige Hilfsaktionen. Auch ist es berechtigt, die Art und Weise von Hilfen in solchen Fällen zu hinterfragen. Aber an der Aktion von Spreeblick sollte sich jeder beteiligen, der nicht selber Hand anlegen kann.
-> Mitmachen beim Rettungsanker Haiti.
2009 liegt eine Woche zurück. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel. Was war?
Das Kluge Leben
Der Kluge Job
Das Kluge Netz
Seit einer Woche ist nun 2010 – was wird?
Ich habe sie alle sehr geliebt. Den Ernie. Den Bert. Und das Krümelmonster ganz besonders. Mein tägliches Abendprogramm als Kind hing aber anscheinend auch von der Gnade der Geburt am richtigen Ort ab. Harald Martenstein im Tagesspiegel:
Als die „Sesamstraße“ zum ersten Mal im deutschen Fernsehen lief, 1973, schaltete der Bayrische Rundfunk sich aus. Begründung: Die „Sesamstraße“ sei zu amerikanisch. Sie sei zu schnell und überfordere die Kinder, sie übe einen schlechten Einfluss aus. Als besonders kinderschädlich wurde die Figur Oscar empfunden, ein Monster mit grünem Zottelfell, das in einer Mülltonne lebte und ständig schlechte Laune hatte. Oscar liebte allerdings schlechte Laune, er liebte auch Dreck, er war sozusagen andersrum und sollte den Kindern beibringen, dass auch negative Emotionen normal sind. Sie sollten lernen, ihren negativen Emotionen gelassen gegenüberzustehen. Nicht in Bayern! Es dauerte Jahre, bis negative Emotionen für bayrische Kinder offiziell erlaubt wurden.
Das heißt, es gibt eine ganze Generation bayrischer Kinder, die anders aufgewachsen ist als die übrigen westdeutschen Kinder – ein großes Menschenexperiment. Der prominenteste Vertreter dieser Generation ist der Politiker Markus Söder, Jahrgang 1967. Er hat verlangt, in den Schulen regelmäßig die Nationalhymne zu singen, Kruzifixe aufzuhängen, Kopftücher zu verbieten, er ist oft sehr aufgeregt und schimpft, ihm fehlt jegliche Gelassenheit, seine negativen Emotionen betreffend. Wer den Einfluss der „Sesamstraße“ auf die deutsche Alltagskultur von heute studieren möchte, sollte sich mit Markus Söder befassen.
In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch Sesamstrasse, wir, die Dich sehen durften, gratulieren Dir!

Gestern waren wir mit den Kindern an der Mauer. Die neue Mauer besteht aus 1.000 Styropor-Steinen, erstreckte sich über 1,5 Kilometer entlang des ehemaligen Mauerstreifens rund um das Brandenburger Tor und wird heute am 20. Jahrestag des Mauerfalls medial wirksam beim “Fest der Freiheit” umstürzen.
Wir suchten und fanden “unseren” Mauerstein, und plötzlich waren wir mittendrin. Die Fragen meiner Kinder, die nie eine Mauer kannten, die mit den Begriffen Ost und West nur noch Himmelsrichtungen verbinden, die weder mit dem Trabant den typischen Ostgeruch noch mit dem VoPo ein flaues Gefühl oder mit dem Broiler ein Grillhuhn verbinden, diese Fragen brachten uns zurück in die Vergangenheit.
Was war los in meinem Leben rund um die Ereignisse des 9. November 1989? Der Anruf, dass wenige Kilometer von mir entfernt der Teufel los war, erreichte mich – im Bett. Warum ich schon um 22:00 im Bett liege statt wie jeder anständige Student am Tag im Hörsaal zu schlafen und nachts um die Ecken zu ziehen – ich weiß es nicht. Ich erinnere mich, dass ich es auch nicht so richtig fassen konnte. Für den West-Berliner, aufgewachsen mit Mauer, Grenzposten, 100 km/h Limit in der Zone, Braunkohlegeruch bei Ostwind, schikanösen Grenzkontrollen und Zwangsumtausch bei den rituellen Familien-Ausflügen in den Osten, war der Fall Mauerfall undenkbar. Handy gabs noch nicht, Internet auch nicht, aber damals war ich noch Fernsehbesitzer, also Glotze an und die Bestätigung geholt: Es stimmte.
Von da an gab es nur noch wenig Schlaf. Einer meiner Ex-Mitstreiter in unserem Party-Imperium war schon innerhalb kürzester Zeit unter den Massen, und hielt werbewirksam den Flyer zu unserer aktuell geplanten “NDW Party” hinter dem damaligen Bürgermeister Walter Momper in die Höhe.

Das Motto “Neue Deutsche Welle” bekam eine ganz ungeahnte Bedeutung. Ein Party-Flyer an diesem Abend hinter dem staatstragend deklamierenden Momper war sicher keine Großtat meines Mitstreiters an diesem Abend. Aber wir waren jung und brauchten das Geld.
Die Stimmung an diesem Abend und den nächsten Tagen kann man kaum wiedergeben. Wir fuhren mit meinem fast schrottreifen 69er Käfer Cabrio durch die Stadt, Dach auf, wildfremde Menschen auf Hinterbank und auf dem aufgeklappten Dach (tat ihm nicht gut, dem Dach), wir feierten und freuten uns mit den Menschen.
In meinem Elternhaus entstand der “runde Tisch”, weil meine Mutter die in Scharen in unserer Strasse ankommenden DDR-Bürger gleich ins Haus bat und Kaffee und Kuchen an unserem runden Tisch anbot. In jenem Haus, in dem wir uns in diesem Sommer zusammenfanden, um auch einen Mauerstein “S0065″ zu bemalen, der heute fallen wird.

Sehr bewegend dann am 10. November die Öffnung der Glienicker Brücke. Hier endeten oft die Radtouren meiner Kindheit, immer lief ein gespenstischer Schauer über den Rücken, wenn man als Kind die Agentengeschichten hörte und nachts auf die menschenleere, in der Mitte geteilten Brücke schaute. Und jetzt fuhren die Trabis ungehindert von Potsdam nach Berlin, wir standen dort, feierten – und haben auch die eine oder andere Träne vergossen.
Gestern, als wir den Styropor-Mauersteinen folgten, an der Linie entlang, an der die Mauer stand, auf der auch ich an jenen Tagen im November 1989 vor dem Brandenburger Tor stand und es gar nicht fassen konnte, da war er wieder da, der Stolz, ein Berliner zu sein und diesen Tag in der Geschichte hautnah erlebt zu haben.
Bin gestern mit diesem Eintrag in die Link-Mühlen geraten und offenbar von vielen in die falsche Schublade gesteckt worden. Nein, ich bin nicht DER Alexander Kluge. Aber wohl ein Alexander Kluge.
Alexander Lehmann, dessen Video “Du bist Terrorist” ich an anderer Stelle auch schon mal verlinkt habe, hat das Thema Netzsperren auf rettedeinefreiheit.de sehr gut aufbereitet:
“RetteDeineFreiheit” ist eine Antwort auf die nicht nachvollziehbare Politik der Bundesregierung in Bezug auf die Internetsperren. Entgegen allen Expertenmeinungen und der erfolgreichsten “Online-Petition” in der Geschichte von Deutschland mit über 132.000 Mitzeichnern, wird in Deutschland ein grundgesetzwidriges und dazu noch vollkommen sinnloses Gesetz verabschiedet. Kritiker werden in der Diskussion diffamiert, haarsträubende und falsche Argumente gebetsmühlenartig wiederholt – von einer lebendigen und gesunden Demokratie keine Spur. “Rette deine Freiheit” ist keine Parteienwerbung sondern genau wie “Du bist Terrorist”, ein von mir privat finanzierter und in meiner Freizeit erstellter Kurzfilm.
Letzte Woche ist er ausgezogen. Zu seiner Schwester. Er konnte es bei uns nur noch schwer aushalten. Mit seiner Mutter bekam er sich ständig in die Wolle. Es war nicht mehr schön anzusehen.
Wir haben die eine oder andere Träne geweint, schließlich haben wir ihn und seine Geschwister groß gezogen. Er hat nun als letzter seine Koffer gepackt.
Ihm geht es nun besser, er kann mit seiner Schwester um die Häuser ziehen. Seine Mutter erlebt einen zweiten Frühling. So ist es offenbar, wenn die Kleinen das Haus verlassen, sagen wir uns.
Irgendwie ging es alles zu schnell. Milde lächelnd schauen wir nun schon auf die Qualen der letzten Monate zurück – während andere Katzeneltern wie Harald Marteinstein noch mittendrin stecken und Fragen der Katzenerziehung diskutieren:
Bei Kindern gibt es Phasen. Erst kriechen sie auf dem Boden, fassen alles an, sabbern alles ein und werfen alles um. Dann rennen sie kreischend umher und wollen toben. Dann sind sie in der Pubertät, leisten Widerstand und stellen dich infrage. Bei Katzen finden alle Phasen gleichzeitig statt. Ich kann so nicht leben. Ich kann so nicht arbeiten.
Bei uns werden die Wunden jetzt verheilen, die Beine werden nicht mehr aussehen wie nach einer saudi-arabischen Auspeitschung. Die Kleinen werden keine Fleischwunden mehr auf unseren Oberkörpern hinterlassen, Klopapier zerfetzen oder iPhone-Kopfhörerkabel säuberlich zerlegen. Die Maus ist wieder eine Maus, und der Schreibtisch nicht mehr Katzenruhelager für zwei bis fünf Katzen. Sogar arbeiten können wir wieder.
Luis, Lotte, Linus und Luischen sind jetzt ausgezogen. Einige nette Erinnerungen und Bilder bleiben.
“Wir melden uns bei Ihnen”. Ein kurzer Satz und das Ende eines langen Versuchs, ein Auto einer deutschen Nobelmarke zu kaufen.
Am Anfang steht ein Freund, von Beruf Software-Entwickler, keine Familie, seit Jahren kämpfend mit einer schweren Krankheit. Äußerlich unterscheidet es sich kaum von anderen Vertretern seiner Zunft, man trägt Jeans, zu weite, ausgewaschene T-Shirts, immer lässig ein Heiß- oder Kaltgetränk an den Lippen – auf Äußerlichkeiten legt er keinen Wert. Seine Auftragslage ist stark schwankend, leider auch sein Gesundheitszustand.
Glück und Können verschaffen ihm einen äußerst lukrativen Entwicklungsauftrag, das Konto ist voller denn je. Warum also sich nicht mal etwas gönnen, wer weiß, wie lange man es noch genießen kann.
Also betritt er kurzentschlossen den BMW Händler, dem er sein Vertrauen schenken möchte. Der BMW Händler schaut ihn mißtrauisch von unten nach oben an, prüft gegen die BMW Kundentypologie. So gar nicht paßt er in das BMW-Kundenbild des gut situierten Anzugträgers. Auch in andere, schon sprichwörtlich bekannte Schubladen der BMW Kundschaft paßt er nicht.
Man habe gerade keinen Wagen für eine Probefahrt zur Verfügung, sagt man ihm. “Wir melden uns bei Ihnen”. Niemand meldet sich. Nach drei Wochen versucht er es wieder, nein, man habe gerade keine Wagen zur Verfügung, aber “Wir melden uns bei Ihnen”. Der Freund ist ruhig, eher introvertiert, nie würde er sich lautstark beschweren. Aber schließlich ringt er sich durch, ruft an, und verlangt den Geschäftsführer zu sprechen. Der ist nicht zu sprechen. “Wir melden und bei Ihnen”.
Nicht weit entfernt ist ein Porsche Händler. Schlimmer als beim BWM Händler kann es auch nicht werden, denkt er. Und schlunzt in den Show-Room. Er wolle einen Porsche kaufen, erklärt er dem Verkäufer. Der Verkäufer stutzt, schaut ihn an, und fragt: “Sind sie überhaupt schon mal Porsche gefahren?”. “Nein!” antwortet er verschreckt. Der Verkäufer zieht einen Schlüssel aus der Schublade und reicht ihn rüber. “Sie können doch keinen Porsche kaufen wenn sie noch nie einen gefahren sind! Drehen Sie erstmal eine Runde”.
Er fährt eine Runde. Er kauft einen Porsche.
Spreeblick bietet eine absolut lesenswerte Wahlhilfe:
(…)
Die SPD ist die stärkste Kraft im Land, was sich nur noch nicht überall herumgesprochen hat. Die Partei, die bis vor wenigen Jahrtausenden als Arbeiterpartei galt, ist die einzige, der die Abschaffung der eigenen Wählerschaft gelungen ist.
(…)
Nachdem der Wahl-O-Mat mir völlig überraschend die Piratenpartei nahegelegt hat, von der ich dachte, dass sie eigentlich nur Positionen zum Internetdingens hat, hilft der Spreeblick Beitrag doch erheblich weiter.
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Zu Fuß nach Italien? Über die Alpen? Ungläubige Blicke. Vor 5.300 Jahren war das für Ötzi normal. Leider kam er nicht durch. Hannibal schleppte sich mit seinen Elefanten und voller Rüstung über die Alpen. Er kam durch. Wir auch. Hannibal zog nach der Alpenüberquerung kämpfend durch das heutige Südtirol und die Toskana. Wir kämpften auf dem Weg zum Lago Trasimeno nur mit dem guten Essen. Da waren wir allerdings schon nicht mehr zu Fuß unterwegs.
Zu schnell hatte uns das pralle Leben wieder. Über 1.000 Fotos müssen noch sortiert werden, Eindrücke geordnet werden. Der Nachruf folgt irgendwann an dieser Stelle diesem Zwischenruf.