Wie man Platten sortiert

Der Spreeblick über ein wirklich bewegendes Alltagsproblem: Wie sortiere ich meine Platten? Alphabetisch? Chronologisch? Favoristisch? Farblich? Emotional?
Nach jedem Umzug oder jeder Umsortierung der Möbel stellt sich bei mir dieses Problem neu. Es kommt zu einer immer neuen Mischung der verschiedensten Sortiermethoden. Im Laufe der nächsten Monate manifestiert sich dann eine Sortierung, bei der sich alle Lieblingsscheiben exakt in Griff- bzw. Augenhöhe sammeln – die weniger genutzten verschieben sich unmerklich in die Randbezirke des Musiklagers. Die vermeintliche Unordnung genieße ich dann sehr, denn nun findet man die gewünschte Platte zwar schwieriger bis gar nicht, dafür stößt man aber immer wieder auf überaschend selten gehörte Meisterwerke, die sich eine Weile lang dem Zugriff entzogen hatten. Man stöbert dann weiter und weiter und genießt die Erinnerungen, die mit jedem Stück verbunden sind.

Dazwischen natürlich ein paar tatsächlich wichtige und daher gänzlich ungehörte Alben, allesamt Geschenke von Verehrern mit kulturellem Auftrag, die spät und schmerzhaft erfahren mussten, dass man mit der ersten Dead Kennedys nur sehr wenige Frauen ins Bett bekommt und dass die vergötterungswürdigen Ausnahmen die Platte naturgemäß schon besitzen.

In der neuen Welt der digitalisierten Plattensammlung vermittelt dagegen iTunes das Gefühl, eine Sortierung automatisieren zu können. Abgesehen vom immer wieder völlig falschen Tagging der Musikrichtung, die es genußvoll zu korrigieren gilt, ist das auch richtig. Aber damit verzichtet man dann tatsächlich auf den Genuß, einfach mal vor dem Musikregal zu stehen und zu schwelgen. MP3s sind eben einfach unsexy.

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