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Madame Bovary oder wie ich lernte, die digitale Ruhe zu lieben

 

Weitblick mit @netzabine #südtirol #bergromantik #latergram #schatzerhütte

Ein Beitrag geteilt von Alexander Kluge (@alecmcint) am

Neulich war Urlaub. Aber: früher war alles besser. Vor allem die Ruhe im Urlaub. Mein Vater rief damals in den Familienurlauben seine Sekrertärin einmal pro Woche aus einer Telefonzelle am Urlaubsort an, ob irgendetwas wichtiges anlag. Sonst waren wir einfach nicht erreichbar. Ja, das war alles vor VUCA und Digitalisierung, und nein, ich bejammere unser digitales Schicksal nicht, ich stelle nur fest: Früher war Ruhe im Urlaub.

Als ich dann groß, erwachsen und selbständig war, kam schon bald e-Mail und mobiles Internet, und plötzlich war Schluss mit Ruhe im Urlaub – man konnte ja jetzt von überall kommunizieren, antworten, reagieren. Das Mittel der Wahl für den Frieden: Out-of-Office Agent anschalten, Vertretung benennen, wegfahren. Sich im Zweifel eine SMS schicken lassen.

Dann kam das ganze social Gedöns, privat und beruflich kaum noch auseinanderzuhalten, dutzende Kanäle. Vor zwei Jahren diskutierten wir an dieser Stelle “Kanal voll“. Nein, es liegt nicht an unserer digitalen Demenz und der Tyrannei der Technik. Es liegt an uns Menschen und unseren Erwartungen an und Einstellungen zu Zusammenarbeit und Kommunikation, wenn wir uns tyranniseren lassen wollen. Aber diese Erkenntnis allein hilft nicht, wenn man die eingetretenen Pfade der Daueraufmerksamkeit und Permanenterregung mal verlassen möchte.

Ganz konkret nun also aus dem aktuellen Urlaub: Wie nun umgehen mit dem freien Blick auf die Berge? Hier die Liste der Klugen Maßnahmen:

 

Notifications

Benachrichtigungen ausschalten für eine Reihe von Applikationen: Twitter, LinkedIn, Facebook. Keine Ungelesen-Zahlen mehr. Keine Benachrichtigungen auf dem Home-Screen. Die Folge: Man muss dann schon aktiv die Applikation öffnen und nachschauen, ob was ist. Die Oberfläche vermittelt plötzlich nicht mehr das Bedürfnis, dringend etwas nachschauen zu müssen.

Ganz konsequent abgeschaltet sind die Benachrichtigungen bei den social Apps nicht: WhatsApp als Familienkanal durfte weiter melden, das war mir wichtig. Vorteil für mich: Im Gegensatz zur Gattin gibt es in WhatsApp bei mir kaum berufliche Dialoge.

Wirkung: Sehr gut. 
Nachhaltigkeit: Einstellungen auch nach dem Urlaub beibehalten.

 

Out of office

Ankündigen, dass man mal weg ist, hilft auch. Wie sollen die anderen denn wissen, dass ich die Notifications alle abgeschaltet habe. Also: Abwesenheitsagent in Mailbox aktiviert. Check. Die digitalen Kanäle, auf denen man von mir eine Reaktion erwarten könnte, mit einer Statusmeldung bestücken. Check.

Wirkung: Mässig bis gut.
Nachhaltigkeit: Nach Rückkehr deaktiviert.

Grayscale

“Is the Answer to Phone Addiction a Worse Phone?” fragt die New York Times. Da war ich eher skeptisch. Aber es stimmt. Jetzt fehlen nicht nur die roten Ungelesen-Markierungen – das monochrome Layout lenkt nur noch den Blick auf textliche Inhalte. Bilder und Videos machen so eh keinen Spaß mehr. Und draussen ist jetzt das wahre bunte Leben.

Wirkung: Gut. Aber wenn man gerne Bilder macht mit dem Telefon, muss man plötzlich in Schwarz-Weiß denken.
Nachhaltigkeit: Bin derzeit wieder in Farbe unterwegs, könnte sich aber nochmal ändern.

 

Madame Bovary

Flaubert? Ja, Flaubert.

Ankunft in der Schatzerhütte, 2000 Meter Höhe, irgendwo zwischen Würzjoch und Brixen. Ein Balken und “E”. Also so gut wie offline. Die Lücken in der mobilen Breitbandversorgung sind durchaus hilfreich. Zumindest dann, wenn man dieses breite Band ja gerade nicht will.

Die Gattin hatte ihren Tolino dabei, den sie aber nicht vorher, als noch Netz war, betankt hatte. Die Folge: Keine Management-, Digitalisierungs-, #FutureOfHR-Literatur, sondern nur das vorinstallierte Buch: Madame Bovary. Gustave Flaubert. Meine Güte, hat uns das Spaß gemacht an den Abenden auf der Alm.

Wirkung: Gigantisch

Nachhaltigkeit: Schlecht. Zu Hause ist überall Empfang. 

 

Fazit? Dass man überhaupt über eine Woche Media-Diät reden muss, ist ja schon absurd. Nichts haben wir verpasst, die Welt hat sich ohne LinkedIn Kommentare und Retweets wunderbar weitergedreht. Menschen, die etwas von mir wollten, haben die Abwesenheitsnotiz gelesen und sich später gemeldet. Wir haben Madame Bovary gelesen und Sonnenuntergänge angestarrt. Und auch eine Woche später fühlte sich der Abstand zu den Threads, die die Welt zu bedeuten scheinen, gut an. Die Haltung versuche ich mir zu bewahren, das scheint gesund. 

 

Nachtrag:

Halt. Einen Kanal hatte ich vergessen: Telefon. Während alle Anliegen offenbar auch mal eine Woche Zeit hatten, hatte ein Geschäftspartner diese Zeit offenbar nicht. Er schrieb keine Mail, keine SMS, keine WhatsApp. Er rief an. Er sagte nicht, worum es geht. Er bekam keinen Rückruf, sondern eine SMS mit der Bitte um Mitteilung, um was es geht und wie dringend es ist. Ich werde es wohl nie erfahren. Dann wegen mangelnder Reaktion da oben auf der Alm bekam ich eine unschöne Quittung. Schon komisch, dass genau dieser Kanal offenbar sofortige Reaktion verlangte. Schade.

 

100 Tage


In 80 Tagen ist so mancher schon um die Welt gereist. Wir sind in 100 Tagen zum Halbmarathon gereist. Für zwei Wissensarbeiter, die die meiste Zeit ihres Lebens in Verkehrsmitteln aller Art oder in Workshop der transformatischen Art verbringen, war das eine Herausforderung. Geholfen hat die “In 100 Tagen zum Halbmarathon” App gepaart mit gegenseitiger Motivation und dem Ziel, den Oberelbe Halbmarathon mitzulaufen. 

Ziel war: Durchkommen. Erreicht haben wir 2:02:00 und 2:35:54. Wir waren stolz wie Bolle. 

Next Stop: Palma Halbmarathon. Ziel: Durchkommen bei der Hitze. 

 

Abspeckprogramm

Volker hat mich nach “Bargeldlos durch Deutschland” auf den Aarandano gebracht. Ich wollte zwei Probleme lösen: Die viel zu fette Geldbörse loswerden. Und im Selbstversuch probieren, wie weit ich in diesem Land ohne Bargeld komme.

Ziel 1: Abspecken

Ziel 1 ist weitgehend erreicht und fühlt sich gelungen an. Die wesentlichen Kreditkarten sind dabei. Personalausweis ebenso, Bahncard 100, alles smart verpackt, und mit dem kleinen Münzfach auch immer noch ein paar Euro dabei. Papiergeld klemmt unter dem Band, denn… von Ziel 2 sind wir noch sehr weit entfernt.

Was fehlt noch? Ich besitze noch einen originalen „Lappen“: Führerschein aus dem Jahr 1986. Bisher habe ich mich aus Nostalgiegründen geweigert, ihn umzutauschen. Ich fürchte, es wird Zeit.

Schwieriger wird es mit dem Fahrzeugschein, denn den gibt es nicht in Kreditkartenformat. Lösung bisher: Keine. Kopie im Auto braucht nämlich keiner anzuerkennen, auch wenn einige die Kopie im Handschuhfach mitführen.

Weniger problematisch, aber durchaus ein Thema: Abholzettel und Rechnungen, die man aufbewahren sollte. Normalerweise sammeln die sich im Geldbeutel, jetzt muss man sehr diszipliniert sein mit den kleinen Papieren. Ordentlich falten und unter das Gummi klemmen und sehr sehr schnell daheim in den großen Schuhkarton entsorgen, der dann zur Buchhaltung geht.

 

Ziel 2: #NoCash

Von diesem Ziel bin ich meilenweit entfernt. Daten-Diätler werden mir eh raten, dieses Projekt mal ganz schnell wieder zu beerdigen. Ich will mich aber nicht von Orwell schrecken lassen, sondern einfacher und bargeldlos durchs Leben kommen.

Erste Vorkehrungen: Edeka App installiert und registriert. Ebenso die Datenkraken-App Payback Pay, mit der man bei DM, Rewe & Co auch mal was zu Essen bekommen soll. Diverse andere Dienste nutze ich schon bargeldlos mit den jeweiligen Apps: MyTaxi, MotelOne, Lufthansa, etc.

Erstes Erlebnis beim lokalen Rewe um die Ecke: Payback Pay ist groß angepriesen, aber der Kassierer verzweifelt an der Bezahlung. Ich auch. Und nach vielen Minuten hinter mir auch jede Menge ungeduldige Kunden. Sehr peinlich. Offenbar braucht es dafür noch mehr Schulungen in den beteiligten Geschäften. Letztlich also mit der EC Karte gezahlt, ging dann halt auch.

Nächstes Erlebnis: Die Reinigung um die Ecken nimmt die Hemden erst gar nicht an, wenn man nicht Bar zahlt. Next Step also: Die Dienstleister identifizieren, die wenigstens ein EC Lesegerät ihr eigen nennen. Eigentlich in der heutigen Zeit kein Ding, wir haben selber einen iZettl für den Hyggelig Berlin Verkauf. Aber mindestens jeder zweite Berliner Taxifahrer tut sich damit ja auch schwer, obwohl er die Wegelagerer-Gebühr von 1,50 Euro, die ihm die Berliner Taxi-Innung zugeschustert hat, kassieren könnte.

Nun der Reiseantritt letzte Woche, nächste Lehrstunde in Sachen #NoCash: der Zugbegleiter nimmt schon mal keine anderen Zahlungsmittel als Bargeld. Zum Glück reicht für den Cappuccino das minimal bestückte Geldfach im Aarandano.

Spannend wird es dann auf dem Lande: Angekommen vor den Toren der Bischofsstadt Limburg sind Taxis Mangelware, und wenn sie da sind, dann horchen sie natürlich nicht auf MyTaxi und nehmen natürlich auch nur Bargeld. Begründung: “Wir haben hier überall so schlechten Empfang, die Geräte gehen nicht.” Willkommen in der analogen Republik. Nothalt am Geldautomaten, Problem vorerst gelöst.

Abends dann in der fremden Stadt sucht der Reisende eine Osteria seines Vertrauens auf, und auch hier gilt: Nur Bargeld lacht. Das wiederum kann einem ganz prima auch in beliebigen Lokationen in Berlin passieren, verursacht aber bei geringer Geldautomaten-Dichte auf dem Lande für Schweißausbrüche.

Zwischenfazit: Der Selbstversuch #NoCash wird weiter getrieben. Minimales Gepäck dabei zu haben, ist ein Wert an sich. Interessanter Nebeneffekt: Man will natürlich kein Wechsel-Geld mehr. Und wird damit noch großzügiger beim Trinkgeld. Auch gut fürs Charma.

Masters of Transformation: Transformation muss aus der Mitte kommen

Heute gibt es was auf die Ohren: Eine Stunde das “kluge Transformation Couple”. Wer wissen will, wie wir so beruflich ticken, ist eingeladen, eine Stunde zuzuhören. Wer sich wiederfindet, wir freuen uns auf Lob. Wer zuhört und mit Kopf schüttelt, dessen Kritik ist umso willkommener.

Einen lieben Dank an Ingo Stoll, der unvergleichlich eine Atmosphäre der Vertrautheit schafft und damit uns und die Zuhörer mit auf eine Reise durch unsere Arbeitswelt nimmt. 

Hier geht es zur -> Episoden-Seite des Master of Transformation Podcasts

Stolz

Die Gattin auf der Bühne der Elbphilharmonie, geehrt für ihr #NewWork Engagement. Hach.

Am Freitag gibts was auf die Ohren

Fifty

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Travellers

Drei Abiturienten ziehen nach Norden. Einer davon ist Sohn Nummer 2. Kann gar nicht sagen, welche Gefühle mich zuerst übermannen bei dieser irren Doku. Vaterstolz. Rührung. Sehnsucht, nochmal jung und unbeschwert um die Welt zu ziehen. Lust auf Abenteuer.

Was man heute braucht: Anständige Kamera im Smartphone, eine Drohne, und ein Händchen für Schnitt, Musik und Inszenierung.

Wunderbares Video, Jungs!

Speicherdrama

Seit Jahren tut im Klugen Serverschrank eine kleine Synology Diskstation DS213 ihren Dienst. Einmal verreckte eine Platte, die DS213 schlug rechtzeitig Alarm. Platten getauscht, fertig. Die beiden 3,6 TB WDC red Platten tun ihren Dienst seit Jahren unauffällig. Alles mögliche lief auf dieser Kiste. Owncloud, Photostation, sogar Minecraft Server für die Kinder, diverse Experimente. 

Dann geriet die Kiste in Vergessenheit. Die Cloud sorgte dafür, dass Fotos plötzlich nicht mehr in der Bilder-Sammlung landeten, Dokumente nicht mehr in der lokalen Owncloud und Sonos holt sich die Musik sowieso schon lange von diversen Musikdiensten statt aus der lokalen Musikbibliothek. Nur noch die Time Machine tat ihren Dienst. Und auch darauf habe ich nicht geachtet.

Bis vor zwei Wochen.

Verwundert stellte ich vor dem bevorstehenden Rechnerwechsel fest, dass kein Backup erstellt wurde. Seit Wochen. Kurzer Ping auf die Diskstation. Keine Antwort. 

Was dann eintrat: Schnappatmung. Denn das letzte Backup dieses Backup-Mediums liegt Jahre zurück. Zwar hat sich seit Jahren nicht mehr viel geändert, aber das Archiv der Bilder! Die Kinder! Die Reisen! Nicht, dass wir mehr als einmal pro Jahr flüchtig ein Bild aus der Vergangenheit hervorkramen. Nein. Aber wir hätten ja mal nachschauen KÖNNEN, wie denn Sohn I so mit 5 Jahren aussah. 

Synology hat einen Troubleshooting Guide und der sagt: Wenn nur noch die Status-LED blinkt, fass die Kiste nicht mehr an, gehe nicht über Los, fülle sofort das Hilfe-Formular aus.

Ausgefüllt. Schweigen. Tagelang. Nach drei Tagen dann meine Nachfrage an Synology, wie es denn mal mit Unterstützung wäre. Wieder keine Antwort. Nach 5 Tagen nochmal eine Nachfrage, mittlerweile schon mit erheblichem Grollen. 

Dann, nach fast einer Woche ein Lebenszeichen: „Entschuldigung, aber momentan haben wir ein sehr hohes Tickektaufkommen“ Aha. Und dann die gleiche Checkliste nochmal, die im Netz hängt und die zum selben Ergebnis führt: All is lost wenn Du jetzt einen Fehler machst. Ich mache also keinen Fehler, und wieder gehen wir zurück in die Warteschleife.

Nein, die Power LED blinkt nicht blau, nur die Status LED blinkt. Wie schon vor mehr als einer Woche festgestellt.

Die Lösung: Bauen Sie eine andere Platte ein (habe keine zur Hand), checken Sie die Sektoren (wie denn bitte, bei mir gibt es ja kein Gerät, an das ich die Festplatten überhaupt anschließen könnte) Wenden Sie sich bitte an Ihren Händler. Wie bitte? 

Rückmeldung von Synology: Also, wenn die Power LED blau blinkt, dann ist vielleicht Ihre Hauptplatine… Nein! Da blinkt nichts blau – die Status LED blinkt!

Rückfrage von mir: Könnte es vielleicht die Stromversorgung sein? Ja, die Stromversorgung könnte auch sein. Und? Es war die Stromversorgung. Neues Netzteil geordert, angeschlossen. Läuft.

Lehre Nummer 1 für alle Synology Nutzer: Der Support war früher auch mal besser. 

Lehre Nummer 2: Wenn Ihr auch noch so eine Kiste im Keller habt: Schaut mal ob sie noch lebt. Macht mal ein Backup vom Backup. 

Und zum Abschluss: Ja die Cloud ist böse und finster. Wer sich ein hochverfügbares Plattensystem in den Keller stellt, mag darauf verzichten. Alle anderen sollten sich nicht zu sehr auf eigene Hardware verlassen. 

AIM – ein Nachruf

Ihr habt echt keine Ahnung, Ihr jungen Leute. Mitleidig und genervt erklärt ihr Euren Alten, wie man jemanden auf Snapchat added. Aber wie das alles anfing mit Chats und Statusmeldungen, davon habt Ihr echt keine Ahnung.

e-mail war schon langweilig geworden, mit ICQ spielten wir im Büro schon herum, aber dann kam mein lieber Freund Robert mit der Einladung zum AOL Instant Messenger daher. Und plötzlich sprangen alle auf den Zug auf. Ja, damals, in der Steinzeit, lange vor WhatsApp, da konnten wir chatten! Und wir konnten sehen, wer gerade online war. Presence Awareness, Alter! 

Ja, wir hatten noch keine Smartphone, aber wir hatten schon Farbfernsehen. Und ein Modem. Und Internet. Wir haben diesen Chat auf unserem Desktop benutzt. Und das war noch ein Desktop! Ich rede von großen Kästen mit Lüftern, 3,5 Zoll Diskettenlaufwerk und Röhrenbildschirm. Und wenn wir schon Boxen drangeklemmt hatten, dann machte der AIM unvergessene Töne. Diese quietschende Tür, die sich öffnete, wenn jemand „online ging“. Remember Boris, als er noch nicht pleite, dafür aber „drin“ war? Wollt Ihr mal Klopfzeichen aus der Vergangenheit? Guckstu -> hier

 

Achtung, Enthüllung

Vielleicht es ja jetzt auch an der Zeit, über meinen Twitter-Handle zu reden. Wieso benutzt der Kluge eigentlich dieses unaussprechliche „alecmcint“ auf allen Kanälen? Ja, lange bevor Ihr Euch alle hinter irgendwelchen merkwürdigen Kunstnamen auf Facebook versucht habt zu verstecken, mussten wir mit wenigen Zeichen auskommen. Wir dachten uns Kunstnamen aus, und die mussten dann gekürzt werden. Aus meinem lieben Freund Lorenz Buchberger wurde dann der Italiener „Lorenzo die Libromontagnola“, aus dem Alexander Kluge der Schotte „Alec McIntelligence“ – und mehr als 10 Zeichen gab waren nicht drin. Also: alecmcint. Oder der liebe Bernd, der mcbeeoh. Oder Volker, damals noch vowexxl, heute wohl eher vowexs. Hach.

Bis 15. Dezember darf man hier nochmal AIM Luft schnuppern, die alte Buddy-List anschauen. Dann ist es vorbei. Die anderen Scheintoten wie ICQ oder MySpace sitzen auch an der Schwelle zum digitalen Jenseits, und irgendwo in Second World Life sitzt auch noch mein Avatar herum – vermutlich im ehemals sündhaft teuren IBM Pavillon.  Und ich werde ein wenig den Zeiten hinterher trauern, in denen ich noch nicht den Kanal voll hatte.

Schlauer Leuchten

Seit die “Wanderer” auf den Darss gewandert sind und wir uns spontan ein paar Stadt-Räder gekauft haben, haben wir daheim in Berlin unser persönliches Rad Revival. Sabine ist nur noch mit dem Retro-Rad durch die Stadt unterwegs, ich mit meiner Forelle durch den Berliner Sommer ebenso.

Nur: Die Forelle hat kein unnützes Zeug an Bord. Also auch kein Licht. Die meisten Lösungen sind häßlich und gehören nicht an so einen Rahmen. Copenhagen Parts liefert genau das, was man braucht. Die Leuchten hat man einfach in der Tasche dabei. Wenn es dann spät wird, klackt man sie einfach an den Rahmen. Sobald der Druck-Kontakt mit dem Rahmen da ist, geht das Licht an. Abnehmen: aus. Super simpel.

Was mich noch stört: Die Wechselschaltung zwischen durchgehendem Leuchten und Blinken. Erstes Mal anschalten: Dauerleuchten. Zweites Mal: Blink-Betrieb. Den will ich aber gar nicht. Zweiter Wunsch: Keine Batterien, sondern Akku aufladen via USB. 

Dennoch: Schlaues Produkt. Mag ich.

 

Stop whatever you’re doing and watch this.

Quotenmann

Hallo #customer_first_name#

Lieber #sender_name#,

ich kann leider den #excellent_feedback_link# nicht finden. Empfehle ein Update des CRM Systems. 

Beste Grüße

Ihr #customer_first_name#

Konferenz Tourismus



Lots of traveling ahead. Die nächste Woche steht im Zeichen diverser Konferenzen, und es braucht diese Pausen zwischen den Kundenprojekten, um mal wieder frische Gedanken zu tanken, sich auszutauschen über digitale und analoge Themen und andere Sichtweisen und Perspektiven kennenzulernen, die man dann wieder in die Kundenprojekte einbringen kann.


In Halle 5 der CeBIT steigt Montag und Dienstag die CeBIT Enterprise Digital Arena, die ich gemeinsam mit Ellen Trude moderieren werden. Schaut vorbei, wir haben sehr viele interessante Gäste und Themen. Der gestrige Hangout, unter anderem mit Harald Schirmer und Katharina Krentz, sei als Einstimmung empfohlen. Ebenso sehens- oder hörenswert der Hangout mit Sabine zum Thema “Zukunft der HR“. Überhaupt Sabine: Es ist eher ungewöhnlich, dass Partner sich plötzlich in einem Themenbereich wiederfinden. Bei uns ist das seit einem Jahr am Köcheln, und nun stehen wir beide auf der selben Bühne, sowohl bei der CeBIT Enterprise Digital Arena, als auch am Donnerstag in Utrecht auf dem “CongresIntranet.” Hat was von Mr. and Mrs. Smith.

Auf Utrecht freue ich mich ganz besonders, denn dort werden wir auf Lee Bryant, Luis Suarez und John Stepper treffen – dürfte ein sehr unterhaltsamer Ausflug in die Niederlande werden.



Hoffe viele von Euch zu treffen in der nächsten Woche.

Ein Haus am Meer

Es muss 1989 gewesen sein, als ich das erste Mal von einem lieben Freund nach Ahrenshoop verschleppt wurde. Das Licht, die Mischung von Steilküste, Weststrand und Bodden, alles in Laufnähe an der schmalsten Stelle des Fischlands – all das hat mich sofort gefesselt. Die Trümmer des Sozialismus standen zwar auch deutlich sichtbar in Form eines hässlichen Betonklotzes namens „Kurhaus“ gegenüber vom Strandübergang – aber es war auch klar, dass dieses kleine Nest anderen, ehemals sozialistischen Nachbardörfern einiges voraus hatte. Im Künstlerdorf Ahrenshoop hatte man weitgehend darauf geachtet, das Dorfbild zu erhalten – das lag sicher auch daran, das die Nomenklatura sich dort regelmäßig zur Sommerfrische aufhielt, das unbescheidene Anwesen von Schalck-Golodkowski zeugt noch heute davon.


Ein stillgelegtes Ferienheim eines Thüringer VEB wurde für uns Studenten die Heimat bei vielen Ausflügen. Hier wurde heftig darüber gestritten, wie unsere erste Firma, ein Seminaranbieter und Dozentenpool, heißen sollte und welche Farben das Logo tragen sollte. Hier bereiteten wir uns auf Uni-Prüfungen vor, feierten denkwüdige Silvester-Partys, holten frischen Fisch vom Fischer in Born und genossen Lachsforelle oder Boddenzander.



Ahrenshoop


Das Gebäude musste mit Kohle geheizt werden, es roch nach dem typischen Reinigungsmittel der DDR.
Ursprünglich sollte es schnell abgerissen werden und einer Ferienhaus-Siedlung weichen. Aber die Verhältnisse waren offenbar kompliziert, in Ahrenshoop redet der örtliche Bauausschuss mehr mit als anderswo – und hat so vermutlich verhindert, dass es bis heute zu keinen schlimmeren Auswüchse gekommen ist. Und so fuhren wir Jahr um Jahr nach Ahrenshoop, und als das alte Ferienheim dann doch irgendwann abgerissen wurde, haben wir das Ritual dennoch beibehalten. In Ahrenshoop wurden nicht nur Firmen gegründet, Krisen bewältigt, Projekte gestartet – hier fand über lange Jahre der jährliche Kick-Off der K Consulting Group AG statt, inklusive Teambuilding auf dem Acker und am Steilufer.




Ahrenshoop Herbst 2008
Später buddelten hier die Kinder ihre ersten Löcher in den Sand und wir bezwangen gemeinsam die Lenkdrachen im Sturm.



Der Traum war schon immer, hier unter Reet (örtlich heißt hier vor Ort das Rohr oder Schilf) eine zweite Heimat zu finden. Zwischendurch verkauften wir unser Unternehmen, es ging eine Ehe in die Brüche – und auch in diesen Lebenskrise war Ahrenshoop die Zuflucht.



Aber welch eine schöne Wendung, dass mit einer neuen Liebe eine alte Liebe verbunden war – wir teilten beide schon ein Jahrzehnt, unabhängig voneinander, die Leidenschaft für diesen Ort mit dem besonderen Licht. In der alten Schifferkirche haben wir geheiratet, im alten Elisabeth von Eicken gefeiert.

Ein kleines Fest am Meer


Jahrelang drückten wir uns nun gemeinsam die Nase platt an den Ausschreibungen der örtlichen Makler. Wir waren kurz davor, das „Deichhaus“ am Grenzweg zu kaufen, direkt am Deich, Blick auf die See, zurückgebaut und entkernt bis auf die Außenmauern. Kurz vor dem Notartermin bekamen wir nasse Füße. Damals vermutlich die richtige Entscheidung, sonst hätten wir keine Luft mehr gehabt, unseren Traum in Berlin zu realisieren.



Vor fast zwei Jahren, wir hatten uns gerade nach einer Umschuldung von den finanziellen Lasten des einen Bauvorhabens erholt, liefen wir am Weg zum Kiel an einem Haus vorbei – mit frisch aufgestelltem „Zu Verkaufen“ Schild. Es war offenbar der richtige Moment. Das Schild war noch frisch, es war früh im Jahr und noch nicht allzu viele Leute waren daran vorbeigekommen – wir klingelten bei den Besitzern, und dann ging alles sehr sehr schnell. Und sind mit einem Bein in Ahrenshoop angekommen.



Letzte Woche haben wir Richtfest gefeiert. Unser „Hyggelig Hus“ Rohbau steht.


Manchmal können wir noch gar nicht glauben, dass es da ist und wir es geschafft haben, so ein Schmuckstück auf die Halbinsel setzen zu dürfen. Es klingt sicher pathetisch, aber ich kann es gar nicht anders sagen. Wir sind so dankbar, dass wir es hierhin geschafft haben.

Forty Nine

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Starke Botschaft

Starke Botschaft an das amerikanische Publikum in diesen Zeiten voller Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz.

-> Story

CeBIT ante portas – Enterprise Digital Agenda

Die CeBIT wirft ihre Schatten voraus. Ich werde das eine oder andere Panel moderieren. Und im Vorfeld durfte ich ein paar Gedanken zu #DigitalWorkplace und #DigitalTransformation los werden.

-> weiterlesen

Digitalisierung in der Schule? Finger in die Ohren.

Wenn es nicht alles so traurig wäre. Eigentlich habe ich schon vor den Bildungs-Skeptikern der alten Schule resigniert. Ich. Kann. Es. Nicht. Mehr. Hören. Weltuntergang Digitalisierung, schaut Euch nur die Jugend an, liest kein Buch mehr, starrt nur noch auf Bildschirme, hat keine sozialen Kontakte mehr, #undsoweiterundsofort. Dass das, was die verzogene Brut da den ganzen Tag tut, Lesen, Schreiben, Kommunikation, ja sogar Zusammenarbeit, und – oh Schreck- sogar LERNEN ist, das kann nur verstehen, wer auch teilhat an dieser Entwicklung. Wie soll ich einem Digitalabstinenzler Twitter erklären? Oder Snapchat? Hoffnungslos, wenn man es nicht selber wenigstens mal ausprobiert.

Seit meinem letzten Rant zu den Äußerungen des großen Hirn- und Entwicklungsforscher Dr. Manfred Spitzner, dem Kronzeugen der Digitalisierungs-Gegner auf jedem Elternabend und in jeder Talkshow, ist einige Zeit vergangen.

Nun mischen sich in den letzten Tagen im Zuge der Digitalisierungsdiskussion in deutschen Schulen hochkompetente Menschen wie Josef Kraus ein, 67 Jahre alt, pensionierter Schulleiter, und offenbar Sprecher der deutschen Lehrerschaft. Und diese Ansichten lassen einem die Haare zu Berge stehen als Vater zweier Jugendlicher. Das hoch renommierte altsprachliche Gymnasium ist nicht im Ansatz in der Lage, den Jugendlichen die neuen Medien und ihre intelligente Nutzung nahe zu bringen. Die Lehrer rücken heute noch mit Overhead-Projektoren an und halten das repetitive Wiedergeben von Zahlen, Daten, Fakten für eine Kernkompetenz. Die Hochrüstung mit Smartboards, die fast keiner der Lehrer sinnvoll in seinen Unterricht einzubringen gelernt hat, hat nichts, aber auch gar nichts mit den Herausforderungen der digitalen Transformation zu tun.

Ich empfehle daher ausdrücklich die Lektüre dieses Spiegel Artikels “Nicht hören. Nicht sehen. Nicht digitalisieren.“:

Wer nicht versteht, wie Software funktioniert, wer den ersten Google-Treffer prinzipiell für die richtige Antwort hält, wer nur noch “Call of Duty” und gar nicht mehr Fußball spielt, für den hat die Digitalisierung vermutlich mittelfristig tatsächlich negative Auswirkungen. Wer ihr aber begegnen möchte, in dem er die Zeigefinger fest in beide Ohren steckt und laut “lalalalala” ruft, den wird sie überrollen und zurücklassen.

Ich habe dazu schon vor einigen Jahren mal was ins böse Netz getippt. Mein Appell an die Eltern und Lehrer frei nach Holm Friebe:

Trotz allen Unbehagens in den Tretmühlen des Fortschritts sollten wir Älteren uns davor hüten, uns das wärmende Wams des Kulturpessimismus überzustreifen.

Macht Euch vertraut mit den Dingen, die da draußen in diesem Interdings passieren. Setzt Euch neben die Jugend, schaut zu, was sie tun. Versucht, zu verstehen. Die nächste Generation ist gerade dabei, mit digitalen Mitteln eine neue Welt zu erschaffen. Ob wir es wollen oder nicht.

-> “Nicht hören. Nicht sehen. Nicht digitalisieren.